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Eluwe

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Samstag, 9. Februar 2002, 12:42

Elektrosegler MAXIE von Graupner, Erfahrungen


Nachdem ich im letzten November - kurz vor dem Kauf meines Elektro-Seglers MAXIE - vergeblich nach Erfahrungsberichten im Internet, speziell in den Modellbauforen gesucht habe, möchte ich über meine inzwischen
selbst mit diesem Modell gesammelten Erfahrungen berichten.

Der MAXIE wurde in den Graupner Neuheiten 2001 erstmals im Programm dieses Herstellers gesichtet und war im Fachhandel für ca. 184,- EUR zu haben. Bei dem Modell handelt es sich im Wesentlichen um den
großen Bruder des Thermik-Sport. Das Modell könnte von der Bauform her auch als eine stark vergrößerte Version der Libelle-Competition von Höllein mit Elektromotor durchgehen. Tatsächlich sind die Flugeigenschaften
auch sehr ähnlich. Doch dazu später mehr.

Der Bau ist weitestgehend unkompliziert. Eine Mini-Bohrmaschine mit Zubehör ist jedoch bei einigen Arbeiten eine sehr große Hilfe. Die auf den Plan gedruckte Bauanleitung ist gut. Das Modell ist verkleinert
abgebildet. Wo erforderlich gibt es einzelne Ansichten im Maßstab 1:1. Außerdem gibt es noch eine nützliche und große Explosionszeichnung mit Numerierung der Einzelteile. Der Rumpf ist ausreichend geräumig
und bietet Platz für Standardkomponenten. Bei Verwendung eines platzsparenden Brushless-Motors wäre auch noch Platz z. B. für ein Vario. Nicht ganz gefallen kann die Flächensteckung: Die Flächen scheinen
geringfügig gegeneinander verdreht zu sein. Die Endleisten liegen nicht ganz bündig zueinander. Vielleicht liegt das auch an einer nicht ganz formgleichen Wurzelrippe. Beim späteren Fliegen konnte jedenfalls
keine Verzugserscheinung aufgrund dieses Mangels erkannt werden. Zweitens ist das Zusammenstecken der Flächen mit den beiden unterschiedlich starken Rundstählen anfangs eine ausgesprochene Fummelei die
Übung braucht, da sich die Rundstähle beim Zusammenschieben gerne verkanten und klemmen. Unschön war sonst höchstens noch der Umstand, daß die Bohrungen des GFK-Motorspantes recht ungleichmäßig verteilt
waren und so allesamt aufgeweitet werden mußten. Eine Arbeit die echt nicht sein müßte. Die Dinger werden doch wohl nicht mit der Hand geschnitzt.
Die Haube im Carbonlook ist ein Schmuckstück auf dem sehr guten, hochglänzenden Rumpf und kann nur durch echte Kohle übertrumpft werden.

Als Servos für Seite und Höhe kamen zwei übriggebliebene C4041 zum Einsatz die mit Silikon ohne langes Fackeln auf das Servobrett geklebt wurden. Als Empfänger verwende ich einen C17 der - weil er so
schön flach ist - gut unter den Akkuschacht paßt. Als Flächenservos verwende ich zwei preiswerte Futaba MG 500 die auf eigens angefertigten Brettchen auf die vorgesehene Auflage in der Fläche geschraubt
sind.

Die gewählte Antriebsvariante in Verbindung mit dem MAXIE grenzt zugegebener Maßen an Snobismus. In diesem Modell verrichtet ein Brushless-Motor Typ Hacker HB50 mit Getriebe 1:6,7 und Kontronik Regler
Typ Smile 50-6-18 an 10 Zellen Sanyo RC2400 seinen Dienst. Mein Schwabacher Lieblingsdealer hat mir nach einiger Diskussion - auch wegen des späteren Einsatzzweckes - diese Antriebsalternative empfohlen,
deren Kauf ich nicht bereut habe. Da ich mich noch nicht endgültig für eine bestimmte Voll-GFK-Orchidee entscheiden konnte, wollte ich mich nämlich vorab wenigstens an einem guten Treibling erfreuen.
Der Motor wird zu einem späteren Zeitpunkt befördert und soll dann in einem elektrifizierten F3B/F3J-Modell seinen Dienst aufnehmen. Es ist nicht mein Ziel gewesen aus dem Thermikschleicher MAXIE einen
Senkrechtstarter zu machen. Das wäre hier voll am Einsatzzweck des Modells vorbei geplant.
Als Luftschraube ist eine Aeronaut CAM CARBON 17 x 9" auf einem Graupner Präzessionsspinner ø 42 mm montiert. Dieser Spinner paßt bemerkenswert perfekt mit minimalem Spalt an die Rumpfkontur. Zum
tatsächlichen Gewicht des Modells kann ich jetzt leider nichts sagen, da es mir an einer geeigneten Waage fehlt.

Beim Einfliegen zeigt sich als erstes, daß der im Plan angegebene Schwerpunkt sehr auf der sicheren Seite liegt. Das Modell ist deutlich kopflastig. Die Trimmung reicht schon fast nicht mehr aus. Durch
Verschieben des Antriebsakkus ließ sich der Schwerpunkt weitgehend einstellen. Ich habe schließlich einen leichteren Empfängerakku gewählt (600 statt 1400 mAh) da der kurze 10-Zeller bereits so tief im
Akkuschacht verschwindet, daß er nicht mehr vorne über die Vorderkante des Schachtes übersteht. Um die Lage des Akkus sicher mit einem Gummiring fixieren zu können sollte er aber etwas nach vorne über
den Schacht überstehen, da der Akku ansonsten im Schacht in Längsrichtung verrutschen kann. Den hinteren Anschlag des Akkus bildet ein in Form und Länge zurechtgeschnittener Styroporklotz.

Wie schon angedeutet entsprechen die Flugeigenschaften und die Steuerreaktion weitgehend einer zu groß geratenen "Libelle Competition". Das Modell fliegt eigenstabil und benötigt im Gleitflug
den Piloten eigentlich nur um die Richtung vorzugeben und zum gezielten Landeanflug. Die Grundgeschwindigkeit des Modells ist nicht sehr hoch. Das Modell kann fast bis Knüppelanschlag ausgehungert werden.
Bei der - wohlgemerkt etwas zu kopflastigen Schwerpunktlage - findet dann ein relativ harmloses Abkippen über einen Flügel statt und die Strömung liegt praktisch gleich wieder an. Der Höhenverlust dabei
ist gering. Das gibt dem Piloten Sicherheit beim Landeanflug und beim Kurbeln in niedriger Höhe. Die Maschine  nimmt auch nur relativ träge Fahrt auf. Schnellflug ist bei diesem Modell nicht wirklich
schnell. Im Kreisflug wird erkennbar wofür das Modell eigentlich gedacht ist: Genüßlich Thermik auskurbeln, wenn es sein muß auch in Bodennähe. Am Tag des Erstfluges Anfang Februar gab es zwar noch keine
nutzbare Thermik, aber die guten Anlagen des Modells für das Thermikkurbeln waren bei einem Nullschieber schon erkennbar. Die Wirkung des Seitenruders ist erstaunlich direkt. Mit dem Modell kann man auch
nur mit Seiten und Höhenruder saubere und zügige Kurvenwechsel fliegen. Das Höhenruder reagiert weich aber ausreichend kräftig. Wenn der Schwerpunkt noch etwas weiter zurückgenommen ist dürfte die Reaktion
noch etwas direkter werden. Die Querruderwirkung ist aufgrund der Plazierung der Querruder am Innenflügel sehr schwach. Größer ist die Bedeutung der nach oben gestellten Querruder als Landehilfe. Die
Wirkung ist jedoch auch nicht herausragend. Man sollte bei der Landung mit hochgestellten Querrudern auf eine geringe Landegeschwindigkeit achten, da man sonst leicht über das Ziel hinausfliegt. Bei nach
oben gestellten Flaps sind leicht beherrschbare Lastigkeitsänderungen Richtung schwanzlastig spürbar, die ich jedoch lieber aussteuere als mittels Senderprogrammierung wegzutrimmen. Diese Steuerarbeit
hat mir im Großsegler schließlich auch kein Sender abgenommen. Die im Plan angegebenen Ausschläge der Querruder nach oben sollten mindestens erreicht werden. Besser man versucht über die Hebel noch mehr
Ausschlag nach oben zu erreichen. Die Ruderdifferenzierung ist relativ stark, so daß der nach unten benötigte Ausschlag eh nicht groß ist.

Ach ja, der Motorflug. Mit der oben beschriebenen Kombination sind mit bereits 10 Zellen ca. 30°-Steigflüge möglich - und davon viele. Im Vergleich dazu grenzt die im Katalog empfohlene Maximalmotorisierung
nach meiner unmaßgeblichen Meinung schon an Körperverletzung. Sprich, wenn meine Variante bei so einem Modell schon relativ verrückt ist, so ist diese schlichtweg Irrsinn.

Trotz eines deutlichen Motorsturzes, zieht das Modell bei Vollstrom kräftig nach oben weg, was hier ja auch der einzige Zweck der Motorlaufphase ist. Gegebenenfalls muß eben etwas gedrückt werden. Der
bei Erstflug noch jungfräuliche Akku brachte bereits beim 5. Ladezyklus eine reine Motorlaufzeit von ca. 5 Min. 40 sec.. Ein Steigflug auf ca. 150 bis 200 m Höhe dauert ca. 30 Sekunden. Somit sind ca.
9 bis 11 Steigflüge möglich. Die Gesamtflugdauer beim dritten Flug betrug ohne Thermikeinfluß 45 Minuten (reines Abgleiten der Höhe zwischen den Steigflügen ohne Schnick-Schnack). Der Motor ist nach der
Landung schon beinahe herablassend kalt. Der Akku mit ca. 35° C angenehm handwarm. Dieser Antrieb wird also erwartungsgemäß mit dem MAXIE unterfordert was aber hier durchaus seinen Reiz hat. Die Vorteile
sind klar: ein leichterer Akku der sich mit weniger Zellen unproblematischer pflegen und laden läßt und ein relativ leichter, kleiner und sehr kräftiger Motor der das Modell auch am Hang vor jedem Absaufer
bewahrt und souverän wieder aus dem Keller zieht. Der Akku wird mit langer Lebensdauer danken. Ein Brushless-Motors dieser Auslastung dürfte ein Modellfliegerleben lang  halten. Es darf ruhig auch
einmal gesagt werden: Man muß diese Motoren nicht immer im optimalen Wirkungsgrad (der bei ca. 40 bis 50 Ampere liegt) bewegen. Man darf auch mal weniger nehmen. Rechnerisch dürften hier nur ca. 25 Ampere
fließen die auch für zufriedene Gesichter sorgen.

Fazit: Der MAXIE ist ein unkompliziertes elegantes Zweckmodell, leicht zu fliegen, mit voraussichtlich besten Anlagen für ausgedehnte Thermikflüge in der Ebene. Darin liegt auch ganz klar das bevorzugte
Einsatzgebiet des MAXIE. Graupner hat jedoch vergessen dem Baukasten einen Klappstuhl beizulegen (falls es mal wieder etwas länger dauert, und nicht etwa zum Ausgraben). Für gestresste Arbeitnehmer ein
sehr erholsames Modell.
Die Baukastenqualität ist bis auf die Flächensteckung und den Motorspant sehr gut. Die Kleinteile sind vollständig, von guter Qualität und sehr wohl verwendbar.

Holm und Rippenbruch wünscht Euch

Eberhard Stemmer