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Sonntag, 25. Juli 2010, 03:57

Wie spannt man solche Teile ?

Hallo,

als frischer "Käsefräse"-Besitzer habe ich als Trockenübung mal mein erstes Teil konstruiert. Soll der obere Lagersitz einer Hauptrotorwelle sein. Das Teil hat die Dimensonen: 80 mm x 60 mm x 10 mm und wir nehmen mal an, das Teil wäre aus Alu.



Mal ganz unabhängig davon, ob es Sinn macht, auf einer "Käsefräse" so ein Teil in 256 Durchgängen zu fräsen, es stellt sich mir hier die Frage, wie man solch ein Teil spannt.

Lösung A: man fertigt aus einem 10 mm Material erst mal eine Platte mit 80 mm x 60 mm. Hier wäre aber erstens das Problem, dass man die Platte absolut parallel zu den X- und Y-Achsen spannt und zudem den Werkstück-Nullpunkt genau trifft. In dem Fall würde es passen, da das Werkstück breiter ist als die Spannbacken meines Maschinenschraubstocks. Doch was macht man, wenn das Werkstück kürzer ist - oder erst gar keine parallelen Kanten zum Spannen hat ??

Lösung B: man fräst das Teil aus einer beliebig grossen 10 mm Platte. Hier würde das Problem mit dem achsparallelen Aufspannen und dem genauen Treffen des Werkstück-Nullpunkts entfallen. Natürlich muss man dann die Kontur einmal komplett herum erzeugen. Aber beim letzten Durchgang wird das Werkstück ja irgendwann aus der Platte herausfallen und wahrscheinlich verkanten. Die Folge wird ein beschädigtes Werkstück und ein zerstörter Fräser sein. Es gäbe zwar die Möglichkeit, im letzten mm mehrere Stege stehen zu lassen, aber dann müsste man wieder rumsägen und vorallem an der Kontur rumfeilen. Letzteres möchte ich eigentlich dringend vermeiden.

Wie macht man es richtig ?

Gruss Gustav

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Faulpelz« (25. Juli 2010, 03:58)


Optimist

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2

Sonntag, 25. Juli 2010, 13:53

auch nur ein Ansatz ...

Halbzeug hat übermaß und wird mit dem Überstand auf eine Verlustplatte so 15mm gebratzt ...


dann fräst man das Zentrumsloch raus ein Gewindekernloch in die Verlustplatte und flux ein Gewinde reingeschnitten ... nun kann man durch das gefräste Loch mittels eines Adapters auf die Grundplatte spannen ( nur halt die Überhöhung durch die Schraubenköpfe im Stock mit angeben daß der Fräser entsprechend nicht durch die Schraube pflügt)

durch die vier Quardranten kannst Du Stiftlöcher bohren und die mit Verluststiften mit der Verlustplatte drunter verzahnen ( für leichtere Werkstoffe nehm ich hier Holzdübel ... ) dann ist das Werkstück in Z gesichert und läßt sich nicht verdrehen .... und der Kittel is geflickt!!! Für alu kannste als Verluststifte auch Alustangen nehmen oder halt was anderes was Dir den Fräser nicht kaputtmacht!!

Habe mir grade einen 80x80 PC Lüfter gefräst ....bei dem isses ähnnlich gelaufen....Bilder stell ich nicht ei,n da ich sonst Mecker mit dem Arbeitgeber ( auch wenn das hier privat is) bekomme
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3

Montag, 26. Juli 2010, 09:19

RE: Wie spannt man solche Teile ?

Hallo,

Da du anscheinend einen passenden Schraubstock besitzt würde ich folgende Lösung vorschlagen:

Rohmaterial mit genügend Übermaß wählen (auch in der Stärke), das ganze nur 1-2mm Spannen (je nach Schraubstock) und die komplette Kontur von der 1. Seite fertigen, Teil ausspannen, umdrehen und den Rest auf der 2. Seite planfräsen. Somit entfällt die ganze Sache mit Stegen und du hast ein passendes Werkstück wo du außer zum entgraten nichts herumfeilen musst.
Auflegen am besten auf geschliffenen Stahlleisten damit das ganze auch Parallel wird.
Gruß
Georg

4

Dienstag, 27. Juli 2010, 11:35

Hallo,

- die banalste, doch in der Regel selbst bei Aluteilen sehr gut funktionierende Möglichkeit ist doppelseitiges Klebeband. Das funktioniert solange du nur geringe Zustelltiefen wählst, was angesichts deiner "Käsefräse" ja ohnehin ratsam ist.
- Ansonsten: Lasse das Teil einfach an 3-4 Stegen hängen. Da reichen 1mm Stege die danach einfach weggefeilt werden.


Viele Grüße
Christian

Paul H.

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5

Freitag, 30. Juli 2010, 14:05

Klebeband kann sich bei Schmiermitteleinsatz und langer Fräszeit schonmal lösen, vor allem bei so kleinen Teilen.

Ich verwende eine Spanplatte als Auflage und schraube da drauf alles fest, entweder direkt oder mit Pratzen.

Bei dem Teil würde ich jedes innere Feld 1-2 Schraubenlöcher vorsehen, und aussenrum auch ein paar, so dass grade der Fräser an den Köpfen vorbeikommt. Für den letzten Durchgang etwa 0,7mm stehenlassen und 3-4 Stege, etwa 1-2mm breit, einer direkt neben dem Startpunkt der Aussenkontur, stehen lassen. Oder im letzten durchgang erst die inneren Löcher ausfräsen, dann in den Löchern mit Blechstreifen und Schrauben niederspannen, dann die Aussenkontur fertigfräsen.

:w Paul
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Amiga

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6

Freitag, 30. Juli 2010, 15:39

Hallo,
ich habe sowas bisher aus einer größeren Platte gefräst.
Ich fräse aber nicht ganz durch,
sondern lasse 0,1-0,15mm stehen.
Die Teile lassen sich dann später aus der Platte ausdrücken,
bzw. mit einem Messer ausschneiden.
Gruß
amig(Dirk)

Optimist

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7

Freitag, 30. Juli 2010, 15:41

Nen Lagersitz wuerde ich nmit der Spanplatte noch schlimmer MDF nicht angehen wollen ... das Material saugt das Schmiermittel auf und Quillt ....
Beim netten Bauhaus gibts Außenbauplatte das is beschichtetes Melaminharz ... Im Stück sündhaft teuer aber aus der Restekiste für den Buchungswert ab 1 Euro zu haben!!!! oder man nimmt acrylglasreste ... jedenfalls irgendwas daß den Fräser Schont udn nicht das Schmiermittel aufsaugt!!!! Ach ja ... Deine Käsefräse sollte bei Schmiermitteleinsatz nicht unbedingt eine Grundplatte aus HOLZ haben....... Und Alu GEHÖRT GESCHMIERT!!!! Emulsion ... oder Spiritus ... letzteres is nicht so dolle für die Maschine!!!

Das mit dem Resttiefe stehenlassen habe ich auch shon gemacht ... erfordert aber eine absolut fluchtende Grundplatte zur XY Ebene ... und wenn der Rest nachgibt is der Fräser beim Teufel da das Material einhakt!!!
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8

Samstag, 31. Juli 2010, 12:03

Hallo,

Ich verwende FOREX Platten als Opferplatte.

Gruss Bruno

9

Mittwoch, 11. August 2010, 00:45

Habe so ein ähnliches Teil fertigen lassen - und die haben das so gemacht:

1. Alles von einer Seite aus einem dicken Block tief gefräst
2. Den Block auf die Säge und das Gefräste abgesägt
3. Das Gefräste mit der guten Seite nach innen ins Backenfutter einer Drehmaschine
4. Was zuviel ist abgedreht
5. Dann das Teil mit "Wendelin und Entgraterklinge" entgratet

Wobei ich mit 5. nichts anfangen kann.

Gruss Gustav