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Sonntag, 28. Juni 2009, 10:01

Warum vier Rotoren?

Hallo,

Ich lese hin und wieder hier mit und frage mich oft, warum stets von vierrotorigen Plattformen geredet wird, wenn es darum geht, Luftaufnahmen oder sowas zu machen. Ein solches Gerät ist doch eigentlich viel zu umständlich und auch zu aufwendig, wenn es bloss darum geht, ruhig am Himmel zu stehen und ein paar Bilder zu machen.

Vier Motoren, vier Reglern jede Menge Elektronik, muss das sein?

Ich denke bei einer ruhig am Himmel stehenden Plattform viel mehr an das Koaxprinzip von Helis. Ich sehe, wieviele klein und auch recht preiswert Modelle dieser Art hergestellt werden. Ist erstaunlich, wie eigenstabil die Dinger in der Luft "hängen" und wie problemlos das geht.

Wenn ich mir nun vorstelle, dieses Koaxprinzip technisch sauber zu vergrössern, dann habe ich doch meine Plattform. Damit sich die Sache noch etwas weiter vereinfacht und preislich reduziert, habe ich die Möglichkeit, bloss einen (kräftigen Motor als Antrieb für beide Rotorebenen zu benutzen, so ist jederzeit garantiert, dass sich das Ding nicht um seine Hochachse dreht.

Das steuern um die diversen Achsen kann recht einfach mit entsprechend im Abwind befindlichen Ruderflächen erledigt werden, wozu dann simple Servos zum Einsatz kommen können. Auf diese Weise kann eventuell sogar auf die üblicherweise am unteren Rotor befindliche Taumelscheibe verzichtet werden, was die ganze Sache nochmals vereinfacht. Auf und ab mittels Drehzahländerung, Richtungssteuerunf mittels Ruderklappen im Windstrom, und ich meine, damit mit viel weniger technischem Aufwand eine gut funktionierende Schwebeplattform zu bekommen, als die doch recht komplizierte viermotorige Variante mit viel Elektronik.

Alternativ kann die Steuerung auch über eine Gewichtsverlagerung (verschiebbarer Akku) geschehen, einzig die Hochachse lässt sich auf diese Weise nicht realisieren. Im Prinzip reicht es ja auch völlig aus, wenn ich vorwärts und rückwärts fliegen kann und mich dazu noch um die eigene Achse drehen kann. So komme ich problemlos an jede Stelle am Himmel. Ein Auto kann schliesslich auch nicht seitwärts fahren und trotzdem komme ich immer brav an mein Zeil, egal, wo dieses liegt.

Bei meinen Gedanken dienen die beiden Rotorebenen einzig zur Auftriebserzeugung, also müssen die beiden Ebenen bloss immer schön synchron drehen, dann bleibt so ein Gerät vom Prinzip her schön still in der Luft "hängen".

Wenn gewünscht, kann ich gerne gelegentlich mal ein oder mehrere Bilder eines kleinen "Billigsthelis" einstellen, dessen Rotorebenen so simpel ausgelegt sind (keine Taumelscheibe, auch sonst kaum etwas aufwendiges), dass es mich schon recht erstaunt, warum soviel Aufwand für etwas getrieben wird, was längst problemlos funktioniert.

Logisch hat so ein kleines Spielzeugdings keine Tragkraft, aber es ist nun wirklich keine Kunst, das angewendete Prinzip entsprechend zu vergrössern, so weit, bis man sich selber dran aufhängen könnte.

Eure Meinung zu meiner Idee interessiert mich, vielleicht habe ich ja irgendwas übersehen, was es nötig macht, vier Rotoren anstatt blos zwei zu benutzen.

Rolf

stein

RCLine User

Wohnort: Juelich, NRW

Beruf: Kaufmann

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2

Sonntag, 28. Juni 2009, 11:43

Hi !

Die Lagesteuerung über Ruderflächen hat Ihre Grenzen ! Das geht nur bis zu bestimmten Windstärken.

Tendenziell ist das Prinzip Koaxialhelis für Luftaufnahmen ja nicht schlecht, da hohe Nutzlasten geladen werden können, weil die komplette Leistungsabgabe der Motoren für den Auftrieb genutzt werden kann.

Quadrocopter sind nur ein weiterer Weg, der auch nach Rom führt.
4 Rotoren bedeuten eine entsprechend hohe Nutzlast. Der Ausfall eines Rotors düfte auch nicht sofort zum Absturz führen, da 3 Rotoren zur Lagestabilisierung ja auch noch ausreichen.

Quadrocopter sind extrem wendig und auch noch bei stärkerem Wind zu fliegen und haben außer den Motoren keinerlei mechanischen Teile zu Steuerung nötig.

Die vorhandenen Quadrocopter Boards können sehr schnell mit Sensoren und Software für das autonome Fliegen nachgerüstet werden. Theoretisch kann man mit einem GPS Modul so ein Teil völlig eigenständig über die Landschaft fliegen und an vorher angegebenen Punkten Luftaufnahmen machen lassen.

Gruss
Hans-Willi

GerdSt

RCLine User

Wohnort: Bodensee

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3

Sonntag, 28. Juni 2009, 17:44

Zum Teil ist die Frage schon beantwortet. So primitive Technik wie Du sie dir vorstellst funktioniert nur bei annähernder Windstille. Eine höhere Eigengeschwindigkeit des Fluggeräts ist dank fehlender Taumelscheibe dann noch weniger möglich als mit den kleinen Koaxen.

Hinzu kommt, dass jegliche Nutzlast zentral aufgehängt sein muss und somit voll im Rotorabwind liegt. Ist sie zu voluminös dann sinkt der Wirkungsgrad der Rotoren durch Verwirbelungen, oder der Rotordurchmesser muss deutlich erhöht werden. Beim Quadrocopter hingegen sind die Rotoren weit weg von der Nutzlast, so dass sie frei nach unten blasen können. Und da nicht ein Rotor im Abwind des anderen liegt wie beim Koax, ist ihr Wirkungsgrad noch ein Stück höher. Sehr vorteilhaft ist auch das Fehlen jeglicher Mechanik. Was nicht da ist, kann auch nicht kaputt gehen.

Ein Quadrocopter überlebt übrigens den Ausfall eines Rotors ganz und gar nicht. Zum Einen verliert er in einem 90° Sektor komplett den Auftrieb und schmiert dann auf diese Seite ab und zu Anderen wird das Drehmoment eines der verbleibenden drei Rotoren nicht mehr durch den ausgefallenen Rotor kompensiert, sprich der Quadrocopter rotiert um die Hochachse bzw. kommt in der Summe hoffnungslos ins Trudeln bis zum Aufschlag.

Das ist der Grund weshalb einige inziwschen Octocopter bauen. Diese können den Ausfall von bis zu 4 Rotoren (nur in einer bestimmten Kombination und mit genug Leistung der verbleibenden Rotoren) überleben.

Gruß Gerd

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »GerdSt« (28. Juni 2009, 17:47)


Elektroniktommi

RCLine User

Wohnort: MK, Sauerland

Beruf: Konstrukteur

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4

Sonntag, 28. Juni 2009, 20:28

Die Aufschrift "NICHT BRENNBAR" ist keine Herausforderung!
[IMG]http://www.rclineforum.de/forum/attachment.php?attachmentid=122429&sid=[/IMG]

[SIZE=4]Ströme messen nicht vergessen![/SIZE]

Chilikakaoexperte

haschenk

RCLine User

Beruf: Dipl. Ing.

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Sonntag, 28. Juni 2009, 23:24

Hallo Rolf,

bei dir ist "alles ganz einfach".

Entwickle und baue mal ein Teil nach deinen Vorstellungen, dann wirst du merken, daß dem nicht so ist. Sobald du ins Detail gehst und die anstehenden Aufgaben wirklich durchdenkst oder vielleicht sogar etwas baust, wirst du merken, daß es da eine Menge von Aufgaben zu lösen gibt; vor allem solche, an die du im Moment noch garnicht denkst.

Das soll nun nicht heißen, daß 1 -oder 2-rotorige Plattformen ein Irrweg sind und Quadrocopter DIE Lösung für eine fliegende Plattform sind. Die Quadros sind eben mechanisch sehr einfach und erfordern wenig handwerkliches Geschick des Modellbauers. Bei den Plattformen mit weniger Rotoren ist sicher noch Entwicklungspotential drin. Aber das ist alles nicht so einfach, wie du meinst.

Wie Hans-Willi schon gesagt hat, viele Wege führen nach Rom.

Ansonsten:
Studiere mal die Geschichte der manntragenden Hubschrauber und Plattformen. Dazu gibt es jede Menge zu lesen und zu sehen, auch im Internet. Du wirst überrascht sein, was es da alles schon gegeben hat ! Und du wirst auch erfahren, welche Probleme aufgetreten sind, und ob und wie sie lösbar waren.

Auch eine Recherche (z.B. beim europäischen Patentamt) fördert eine Vielzahl von Lösungsvorschlägen und Konstruktionen zutage, mehr oder weniger gute, bis zu "spinnerten".


Gruß,
Helmut

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »haschenk« (28. Juni 2009, 23:26)


6

Montag, 29. Juni 2009, 09:15

Hallo Helmut,

Es ging mir bei meiner Frage nicht darum, ob es einfach sei oder nicht, sondern wollte lediglich mal die pro und contras in Sachen Schwebeplattformen erfahren.

Ich habe mir bei Wikipedia unter dem Stichwort "Modellhubschrauber" mal den Absatz "Mehrfachrotor" angesehen und bin auf folgenden Satz gestossen, der mich neugierig machte:

Einen anderen Ansatz verfolgen Designs mit mehreren Rotoren, üblicherweise vier beim Quadrocopter. Dabei wird die Steuerung aller drei Achsen durch unterschiedliche Drehzahlen der vier Rotoren realisiert. Da die Massen i. a. in der Mitte konzentriert sind, fehlt die Eigenstabilisierung eines Hubschraubers. Zur Lagestabilisierung werden daher meistens elektronische Beschleunigungsmesser mit Piezo-Technik oder auch Gyroskope eingesetzt. Durch schnell reagierende, von einem Mikrocontroller gesteuerte Elektromotoren kann hier, anders als bei Hubschraubern oder großen Quadrocoptern, auf empfindliche Rotorköpfe mit Blattverstellung verzichtet werden, was Aufbau, Gewicht und Sturzfestigkeit begünstigt. Diese Bauweise wird zunehmend bei Drohnen und UAVs eingesetzt und findet mittlerweile sogar bei Sicherheitsbehörden wie Polizei und Feuerwehr wie auch im militärischen Bereich Anwendung.

Dann habe ich zum Stichwort "Koaxialrotor" gewechselt, wo folgendes steht:

Ein Vorteil dieser Bauweise gegenüber der gängigen Heckrotor-Konfiguration besteht darin, dass kein gesonderter Drehmomentausgleich notwendig ist, weil sich die Momente der beiden Rotoren aufheben. Das System ermöglicht so einen besonders ruhigen Schwebeflug, da kein Drift – ein seitlicher Schub des Heckrotors, der mittels Roll auszugleichen wäre – auftritt. Auch kann die volle Motorleistung zum Auftrieb genutzt werden.

Über kompliziiert oder einfach habe ich mir nicht allzu viele Gedanken gemacht, wozu auch, ich will mir ja selber keine solche Plattform bauen, sondern wollte lediglich die Meinung anderer erfahren. Da ich es eher mit der Mechanik als mit der Elektronik habe, liegt mir persönlich natürlich die Koaxvariante näher, da hier mehr Mechanik drin ist, die mir deutlich besser liegt.

Es ist mir absolut klar, dass alles, was am Himmel stillstehen soll, nicht ganz einfach ist, aber das sehe ich ja als die Herausforderung unseres Hobbys, Dinge zu bauen und zu entwickeln, die etwas Schmalz gebrauchen.

Rolf

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Rolf Weber« (29. Juni 2009, 09:18)


7

Dienstag, 30. Juni 2009, 13:31

Warum vier Rotoren? Ich nenne mal ein paar Antworten, die so geläufig sind.


1. paarweise gegenläufige Rotoren gleichen ohne Energieverlust ihre Drehmomente aus. => relativ Effizient, da keine Energie extra zum Drehmomentausgleich verbraten wird wie bei Helikoptern mit dem Heckrotor

2. Durch Anpassung der Drehgeschwindigkeiten lässt sich ein Quadro OHNE jegliche sonstige Mechanik nur über die auftretenden Drehmomente und Auftriebsunterschiede steuern.

3. Die Rotorfläche teilt sich auf vier einzeln regelbare Bereiche auf, was ganz gut gegen Windanfälligkeit sein sollte

4. deutlich geringes Gefährdungspotential, da sich die Kraft auf vier Rotoren mit deutlich geringerem Durchmesser und jeweils deutlich geringerer Masse aufteilt.
Eine Verdopplung des Durchmessers bedeutet (soweit ich es noch in Erinnerung habe) eine Verfierfachung der Energie bei gleicher Drehzahl und Masse.
Helis vergleichbarer Tragkraft entsprechen im Vergleich fliegenden Kreissägen.

5. die technische Machbarkeit war sicherlich ein Thema von Interesse

6. (Ergebnis von 2.) Keine empfindliche Mechanik => Hauptgrund für mich als Pilot: Chrashresistenz. Wenn ich mein kleines leichtes X-BL bei einem Looping erde, sammle ich es auf, kratz den Dreck runter und flieg (meist) ohne irgendeinen Schaden weiter.

7. Wartung ist ohne Absturz eigentlich nicht nötig. OK, ggf. nach etlichen Stunden mal nen Motorlager. Es gibt halt keine Mechanik, die man einstellen muß.



Warum nun unbedingt militärische oder Sicherheitsdronen als Quadro konzipiert wurden, ist mir schleierhaft. Windanfälligkeit, Efizienz, Wartungsfreundlichkeit, Gefährdungspotenial sich schon eindeutige Argumente für einen Multikopter. Aber doch bitte nicht als Quadro!
Quadrokopter brauchen dringend alle vier Rotoren zur Lageregelung, sonst stürzen sie ungebremst ab.

Sinnvoll ist für hochwertige Luftbildfotografie oder für Sicherheitsbereich eigentlich nur alles ab Oktokopter (8 Rotoren) aufwärts. Da können bei entsprechender Leistungsauslegung der Motoren auch mal 3 Rotoren ausfallen und das System bleibt steuerbar bzw. zumindest kontrolliert notlandbar.
In der Ruhe liegen Kraft und Weisheit

Sender Royal Pro 9 M-Link :D
Modelle nach FMT-Plan: Baby-Hai, Plektrum, FW190 Aircombat /vollendete Baukästen: Robbe Charter, Amigo IV
Baubrett: Motoraufsatz Amigo, Modellbauchaos F18

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Old Stone« (30. Juni 2009, 13:33)


8

Mittwoch, 22. Juli 2009, 20:56

Zum Wirkungsgrad: Je größer der Prop und je kleiner die Umfangsgeschwindigkeit, desto größer der Wirkungsgrad, also ein großer Rotor mit Getriebe hat einen besseren Wirkungsgrad als 4 kleine schnelldrehende Props.

9

Dienstag, 28. Juli 2009, 20:37

Quad versus Koax

Über den Vergleich Quad / Koax könnte man Bücher füllen.

Spontan fällt mir ein, dass Sikorsky mal über Kamov (die kannten sich aus ihrer Jugendzeit) gesagt hat, dass 2 koaxiale Rotore wie 2 Frauen in der Küche sind. Es geht nicht besser, sondern sie behindern sich nur gegenseitig...

Beim Quad ist schlecht: Energieumsatz über kleinere Rotore. (Geringerer Propulsionswirkungsgrad, kleinere Reynolds-Zahlen, lokaler Restdrall... u.s.w)
Gut ist die mechanische Einfachheit, man kann viele Eigenschaften über die Software konfigurieren.

Beim Koax wird es immer komplizierter, je tiefer man einsteigt. Die Variante mit 2 mal fixed Pitch und Steuerflächen darunter habe ich vor 20 Jahren gebaut. Kaum fliegbar und instabil. Die Momente, die man aufbringen kann, kranken an zu kurzen Hebelarmen und an zu geringer Anströmgeschwindigkeit. Damals hatte ich nur ein Motor drin. Der brachte sein Drehmoment nur zwischen die beiden Rotorebenen. Zur Zelle hin, gab es nur 2 Kugellager mit Optokoppler drin.

Die seitlich Masseverlagerung hat auch ihre Haken. Stell Dir vor, der Koax steht 90 Grad schräg. Da bringt es nichts, wenn ich die Masse, nach oben oder unten schiebe.

Die Koaxe, die vor paar jahren rausgekommen sind, sind schon genial. Eine Paddelebene und eine mit Taumelscheibe. Das System kann man natürlich größer bauen...

Ich warte nur noch drauf, dass endlich einer ein ferngesteuerten Bummerang baut, der ein Antrieb hat... Prototypen sind schon gesichtet worden...
»Tumba« hat folgendes Bild angehängt:
  • koax1990.jpg

10

Dienstag, 28. Juli 2009, 20:48

Ergenzung Link von Elektroniktommi

Ist Euch aufgefallen, dass der "Koax" aus dem Link von Elektroniktommi gar kein "reinrassiger" ist? :-) Der hat noch 3 (Steuer?)Rotore an den 3 Armen ganz aussen....

Schubgrundlast mit Koax und Steuerung über kleine ganz aussen..

11

Dienstag, 25. August 2009, 14:29

Ein Freund und ich hatten auch mal über die optimale Plattform zum Fotografieren nachgedacht. Optimal ist ein Quadro sicher nicht. Damit die Elektronik ihn stabilisieren kann, muss die Elektronik erst einmal eine Abweichung detektieren. Diese Abweichung muss in einen Steuerwert umgerechnet werden und der Steuerwert muss dann mechanisch in einen Auftriebsänderung umgesetzt werden. Ganz ohne Abweichung und Totzeit geht das nicht.
Also ohne Ruckeln und Zuckeln geht da gar nichts.

Ein aktuelles Koax Design erreicht seine Stabilität durch das Bell-System (Paddelstange) das unmittelbar, daher ohne Totzeit, mit dem passenden Steuerwert die Lagekorrektur bewirkt.

Das ist ein grundlegender Unterschied. Ein Koax dürfte dabei wesentlich ruhiger "in der Luft kleben" als ein Quadro. Der Wirkungsgrad von großen, langsam laufenden Rotoren ist vermutlich auch um einiges Besser. Abgesehen davon ließe sich ein Koax auch mit kollektiv Pitch betreiben und der Motor könnte daher in einem optimalen Betriebspunkt laufen.

Für eine Neukonstruktion einer Foto-Schwebeplattform haben wir uns daher für das Koax-Prinzip entschieden. Leider steht das Projekt z.Z. auf Eis, der Sommer ist für Knobeleien nicht die richtige Jahreszeit.

haschenk

RCLine User

Beruf: Dipl. Ing.

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Dienstag, 25. August 2009, 23:15

Hallo,

das genial einfache Prinzip der Modell-Koaxe funkioniert nur, solange der Heli nicht schnell vorwärts fliegen können muß, bzw. sich nicht gegen stärkeren Wind auf der Stelle halten muß. Dies liegt in der Ausbildung der Rotoren (Rotorkopf) begründet.

Natürlich kann man diesen Nachteil überwinden, aber dann wird die mechanische Seite der Konstruktion sehr aufwändig; aufwändiger als bei einem "Normal"-Heli. Und die unvermeidliche elektronische Regelung wird auch aufwändiger als beim Normal-Heli bzw. Quadro.

Dem gegenüber sind Quadros o.ä. mechanisch extrem einfach. Die Entwicklung der Software dafür geht bis in höchste Regelungstechnik/Informatik-Sphären, je nach Ansprüchen... aber wenn man sie mal hat, ist sie einfach und billig zu vervielfältigen.

Man muß sich in die nicht so ganz triviale Technik und Theorie von Helis und Quadros einarbeiten, um sich wirklich ein Urteil bilden zu können. Rein flugmechanisch und regelungstechnisch sind Quadros einfacher, Helis können bei gleichem Energieeinsatz länger fliegen oder höhere Lasten tragen.

Im professionellen Bereich (wo´s dann idR auch um autonomes Fliegen geht) werden beide Systeme weiterentwickelt, es hängt u.a. dann auch von der "Mission" ab, die so ein Teil später erfüllen soll. Da geht´s dann auch um viel Geld. Im Modellflug kann man es viel lockerer angehen lassen...

Wer Lust dazu hat, kann z.B. mal da reinschauen:
K.P. Valavanis (Hrsg.) "Advances in Unmanned Vehicles", Springer Verlag, 2007
Da wird der ganze Themenkreis ausgiebig behandelt; Theorie der Quadros, Helis, Starrflügel-Drohnen usw. Achtung- (notwendigerweise) sehr theorielastig.

Wer sich von professionellen (aber noch experimentellen) Quadros beeindrucken lassen möchte, kann mal auf der Webseite von STARMAC reinschauen; die umfliegen autonom Hindernisse, fliegen autonom im Schwarm...

Für die Selbstbauer gibt´s z.B. bei RCgroups die beiden "Quaduino"-threads mit inzwischen insgesamt mehr als 2600 posts.


Gruß,
Helmut

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »haschenk« (25. August 2009, 23:16)


13

Montag, 25. Januar 2010, 00:14

Shock-Heli

Die Diskussion ist schon etwas älter, aber ich greife das Thema mal wieder auf.
Es ist durchaus vernünftig, über weniger Rotoren und Steuerung über Klappen im Abwind nachzudenken.
Man bedenke, dass die Shock-Flyer auch nichts anderes sind, die können ja meist auf der Stelle schweben und haben auch nur einen Motor. Zusätzlich kann man dann auch schnell geradeaus fliegen. Jetzt ist es mehr eine Sache der Flächengröße und Schwerpunktlage und Erscheinungsbild, wie sehr das eine Schwebeplattform ist.

Schaut mal hier:
http://www.rcgroups.com/forums/showthread.php?t=424087

Da hat jemand nach diesem Muster einen Heli gebaut, und er sagt auch ganz frech, dass es besser fliegt als sein FP-Heli und er sich fragt, warum er da soviel Zeit und Teile inverstiert hat...

flugdet

RCLine User

Wohnort: Sachsen-Anhalt

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14

Montag, 25. Januar 2010, 18:35

Hallo Rolf,
am stabilsten fliegt man, wenn die notwendigen Korekturen eine Elektronik übernehmen kann. Die kann das viel schneller und besser als unser Nervensystem. Falls dann noch die Mechanik im Modell reduziert wird, ist es optimal. Wenn man ein Koax-System für Lasten auslegt wird es zu träge. Solltet ihr etwas Stabileres als Quadro- oder Oktokopter entwickeln, Hut ab!!!
Gruß Detlef
- Akku-Allesflieger -

15

Donnerstag, 28. Januar 2010, 15:35

Naja, eine Mechanik, die entsprechend ausgelegt ist, kann ja ebenso schnell reagieren - siehe Paddelstange mit Bell-Hiller System.

Wiederum könnte ein Koax durchaus agil sein, wenn beide Rotorebenen gesteuert würden. Da gibt es auch Modelle, aber bisher nur in Kleinserien, das kann sich aber ändern.

flugdet

RCLine User

Wohnort: Sachsen-Anhalt

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16

Samstag, 30. Januar 2010, 00:25

Hi BB42,
das Bell-Hiller-System sorgt doch nur für eine gewisse Grundstabilität, daß der Heli überhaupt beherrschbar wird. Bei ungewollten Reaktionen gegenhalten kann es doch nicht!? Oder habe ich da einen Denkfehler? Wenn ich meinem Heli im Schwebeflug die rechte Kufe anhebe, driftet er nach links - und zwar bis ich gegensteuere.
Die großen Koaxsysteme sind ein spannendes Thema, mal seh'n.
Gruß Detlef
- Akku-Allesflieger -

17

Samstag, 30. Januar 2010, 02:18

Bell-Hiller ist ja nur ein Beispiel für ein mechanisches System, das ebenfalls "sofort" eine gewisse mechnische Stabilisierung bewirkt, als ein Beispiel um die Aussage zu widerlegen "am stabilsten fliegt man, wenn die notwendigen Korekturen eine Elektronik übernehmen kann."

Um das konkrete Problem zu lösen, wäre eine andere Mechanik denkbar, mein X-Ufo fliegt ja zB mit einem SwissGyro, das ist im Kern auch mechanisch. Ein solcher Gyro könnte auch einen Heli stabilisieren, und zwar bei entsprechender Auslegung auch mechanisch.

flugdet

RCLine User

Wohnort: Sachsen-Anhalt

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18

Samstag, 30. Januar 2010, 11:26

Sind die mechanischen Gyros präziser als die elektronischen? Natürlich geht das auch damit. Die Mechanik wird doch aber in allen Bereichen - wo möglich - durch Elektronik ersetzt, eben wegen der bekannten Nachteile. 4 Rotoren (Thema) sind in Verbindung mit entsprechender Elektronik (und nur damit) am stabilsten. Zur Zeit jedenfalls. Wie oben schon gesagt: Hut ab wenn ihr's anders stabiler kriegt!
Gruß Detlef
- Akku-Allesflieger -

19

Samstag, 30. Januar 2010, 14:06

Die Präzision ist bei den elektronischen Lösungen im Zweifel eher höher.
Allerdings leiste ich mir beim Modellbau, andere Kriterien auch einzubeziehen, eine interessante, eigenwillige Idee etwa, oder eine ästethische Qualität, s.a.:
http://www.globalmove.org/move:x-ufo

Es ging ja vor allem um die Aussage "am stabilsten fliegt man .. mit Elektronik", die ich etwas relativieren wollte. Dass es heute meist die effizienteste Lösung ist, das ist unstrittig.

Philipp_Meyer

RCLine User

Wohnort: D-57572 Niederfischbach

Beruf: Student

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20

Sonntag, 31. Januar 2010, 02:10

Ich weiß nicht, wem "Formula Student" was sagt, es geht darum mit einem Team Studenten ein Formel-Fahrzeug zu entwickeln und zu bauen und damit Rennen gegen Teams der anderen Unis zu fahren.
Und da habe ich gelernt, dass eine elektronische Lösung nur dann zu gebrauchen ist, wenn sie ein mechanisches Backup hat... ;)

Mir sind mechanische Probleme immer lieber als elektronische, deshalb finde ich die Paddelstange auch ein wesentlich schöneres Konzept als die hochkomplexe Regelelektronik im Quad...

Philipp
"Burn rubber, not gasoline."

Tesla Motors

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