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Freitag, 30. August 2019, 01:16

Avro Avian Monoplane (1:7)

Moin!

Anders als bei meinem letzten Projekt, der CirrusMoth, wird das hier ein „Livebericht“. Den Prolog erzähle ich allerdings rückblickend.

Das Ziel: Ein Semi Scale Nachbau eines Avro Avian Monoplanes, ein britisches Rennflugzeug von 1929. Warum dieses Vorbild? Mein nächster Flieger soll etwas agiler sein als die Moth, dabei in ähnlichem Maßstab und aus der gleichen Ära, einfach weil ich das Golden Age mag, insbesondere die britischen Designs jener Zeit. Dabei will ich die Latte etwas höher hängen und nur nach Plan bauen, gleichzeitig soll das Modell nicht alltäglich sein … und da wird‘s bei der Auswahl langsam eng.

Der Avro Avian bietet sich an, weil das Design elegant und die Konstruktion relativ simpel ist. Bei Outerzone.uk kann man sich kostenlos gleich zwei Pläne für dieses Modell herunterladen, einen des US-Designers Tom Decker von 2016 und einen des Briten Clive Smalley aus dem Jahr 1985, hier die Links:

https://outerzone.co.uk/plan_details.asp…76&pth=brwsplns

https://outerzone.co.uk/plan_details.asp?ID=8673

Aber welchen nehmen? Beide Pläne sind von guter Qualität und für beide gibt es Anleitungen, was ja nicht immer der Fall ist. Für die von mir angestrebte Modellgröße (so um 1,30m Spannweite), sind beide nicht ganz passend. Decker müsste verkleinert, Smalley vergrößert werden. Decker hat sein Modell als Stand-off-Scale und bewusst alltagstauglich konstruiert, während Smalley sich recht genau am Vorbild orientierte. Nach längerer Grübelei entschied ich mich für das Design von Tom Decker. Clive Smalley hatte sein Flieger noch für Verbrenner entworfen, entsprechend robust ist die Konstruktion und es erschien mir einfacher, ein nicht so vorbildgetreues, dafür aber aktuelles Design im Detail zu ergänzen, als eine älteres massiv abzuspecken. Letztlich wird meine Avro aber ein Hybrid werden: Die Grundkonstruktion wird von Decker sein, aber von Smalley werde ich einige Scale Details übernehmen.

Erster Schritt: Papier aus Bits und Bytes. Der erste Copyshop scheiterte kläglich daran, den Decker-Plan zu verkleinern, um den von mir gewünschten Maßstab von 1:7, bzw. rund 130cm Spannweite zu erzielen, was ich leider zu spät bemerkte. Der nächste Laden hat es dann auf Anhieb korrekt hinbekommen und das auch noch zum halben Preis (10 Euro). Erstes Lehrgeld bei diesem Projekt: Wenn man eine PDF-Plan skaliert ausdrucken lässt, immer Maßband sowie Taschenrechner griffbereit haben und Fehler direkt reklamieren! Am besten auch die ggf. dafür erforderliche „Hochmathematik“ vorab selbst erledigen, sonst kann einen der Fachkräftemangel voll erwischen. :dumm:

Rechnen muss man bei US-Bauplänen ohnehin, schließlich muss eine Materialliste erstellt werden und dabei müssen für uns exotische Maße wie 7/32 Zoll umgerechnet werden. Mit einer entsprechenden Tabelle trabte ich dann zu Modulor, einem echtem Modellbauerparadies hier in Berlin und shoppte lustvoll Holz und Stahldraht.
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  • Plan.jpg

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Freitag, 30. August 2019, 01:24

Weiter ging es mit Denksport: Welche Änderungen will ich vornehmen? Wie sind sie zu konstruieren - und um welche Elektronik herum? Tom Decker gibt in seinem Plan einige Hinweise - und sogar eine Mailadresse für Rückfragen. Post von mir in die USA wurde prompt und sehr freundlich beantwortet. So weiß ich nun, dass Tom 2-3 Grad Motorsturz, aber keinen Seitenzug vorgesehen hat. Dass der (im Plan schon eingebaute) Anstellwinkel der Flächen 3 Grad beträgt und dass Tom neben dem Turnigy D 3536/8 auch den stärkeren 3542/6 als Antrieb empfiehlt. Letzteren habe ich mir dann auch besorgt, schließlich ist der Avian (die Avian, das Avian …?) ein Rennflugzeug und soll schon etwas mehr Wumms haben als meine Motte.

Tom schrieb auch, dass man vorne nicht mit Gewicht zu sparen braucht, eine Erfahrung, die ich schon mit meiner Cirrus Moth machte. Von daher spricht nichts gegen einen schwereren Motor und Scale-Details am Bug. Um all das im Detail vorab zu planen, fehlt mir allerdings das Fachwissen. Aspekte, die die Konstruktion grundsätzlich betreffen, habe ich vorab durchdacht und in Toms Plan eingezeichnet. Das „Lametta“ spare ich mir für später auf. ==[]

Schon beim vorherigen Bauprojekt habe ich lernen müssen, dass es nervig ist, gegen das Design zu kämpfen. Mein Ansatz ist deshalb, so nahe wie möglich am Bauplan zu bleiben und nur dort, wo Aerodynamik und Statik nicht beeinträchtigt werden, Änderungen vorzunehmen, die für ein bisschen Scale-Feeling sorgen. Ich beschloss, einen weitgehend kompletten Bausatz anzufertigen, damit diese eher dröge Aufgabe vom Tisch ist, bevor die Begeisterung etwas nachlässt. Aber bis zu welchem Punkt? Orientiert habe ich mich am Vorfertigungsgrad von Baukästen. Einzelteile wie Rippen, Rumpfspanten oder Fahrwerksdrähte habe ich komplett vorgefertigt, „Meterware“ wie Beplankungen oder Träger nur vorgelängt. Vieles habe ich mit etwas Übermaß zugeschnitten, um Ungenauigkeiten beim Bau oder im Plan besser abfangen zu können.

Damit es schneller geht, hatte ich noch in eine Proxxon-Dekupiersäge, eine Dremel-Workstation und einen Balsaschneider investiert, letzteren auch aus Kostengründen: Balsa- und Flugzeugsperrholz gehen ins Geld, insbesondere kleine, auf Maß vorgeschnittene Stücke. Wenn man Leisten selbst aus einem ganzen Brett herausschneidet, wird es etwas günstiger. Trotzdem, da machen wir uns nichts vor, ist Bauen nach Plan ein relativ teurer Spaß. Schon jetzt habe ich für das Rohmaterial mehr als 100 Euro ausgegeben, dafür gibt’s schon komplette Bausätze vergleichbarer Modelle.
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  • Motor.jpg
  • Proxon.jpg

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Freitag, 30. August 2019, 01:30

Wie die Teile vom Bauplan aufs Holz bringen? Hier erweist es sich als Vorteil, mit einem Plan zu bauen, der auch digital vorliegt. Anstatt den großen Ausdruck zu zerschnibbeln, durchzupausen o.ä., habe ich einzelne Abschnitte einfach nochmal auf Din A4 ausgedruckt, die Umrisse der jeweiligen Teile ausgeschnitten und mit Scotch-Klebestift (ablösbar) auf Holz geklebt. Dabei ist die kostenlose App Foxit Reader sehr nützlich. Mit der Snapshotfunktion kann man Teilbereiche von PDF-Dokumenten einfach auswählen und prozentgenau in der Größe skalieren, was wichtig ist, wenn man so wie ich den Maßstab verändert hat.

Die ersten Teile meines Bausatzes: Schablonen für Rippen der Tragflächen sowie für Nasen- und Endleisten. Bei Teilen, die mehrfach angefertigt werden müssen, spart das unterm Strich Zeit. Danach folgten die Wurzelrippen aus Sperrholz samt Dopplern aus Balsa sowie die restlichen Rippen. Spätestens jetzt wurde mir klar, wie sinnvoll die Investition in die Dekupiersäge war. Das Avian Monoplane ist eine relativ simple Konstruktion, trotzdem würde ich mir diese Arbeit mit einer Handlaubsäge nicht antun wollen. Auch bei dickem oder hartem Balsa ist die Proxon nützlich.

Zugleich lernt man als relativer Anfänger, wieviel es noch zu lernen gibt. Bei Baukästen ist das Material ja nicht nur vorgeschnitten, sondern (im besten Fall) nach Qualität vorsortiert. Wer nach Plan baut, muss das selbst erledigen und dafür braucht es Grundlagenwissen: Wie unterscheidet man hartes, mittelhartes, weiches Balsa, usw. und nicht zuletzt: Wie schneide ich das Zeugs richtig zu, ohne dass es reißt oder sich verzieht? ??? Lernkurve once again, und natürlich produzierte ich Ausschuss, bzw. musste Material nachkaufen. Nebenbei bemerkte ich eine Unstimmigkeit im Design, abweichende Rippenabstände bei linker und rechter Tragfläche. Eine Nachfrage an Tom ergab, dass es sich dabei tatsächlich um einen Fehler handelt, allerdings ohne Auswirkung auf das Flugverhalten:

“The wing won't know the ribs are a little off only you will. I've built 6 so far and they all fly just fine.”

Stimmt sicher, zeigt aber auch, dass es Sinn macht, alles sorgfältig nachzumessen. Die Designs kommen eben nicht aus Industriebetrieben mit X Prototypen und Qualitätssicherung, sondern von Modellbaukollegen, die ihre Arbeit netterweise umsonst zur Verfügung stellen und da können sich schon mal kleine Fehler einschleichen. Dass Tom Decker Rückfragen einzelner Bastler geduldig beantwortet, ist die andere Seite der Medaille. Von einem direkten Kontakt zum Designer kann man bei Massenware aus Asien wohl nur träumen.

Die größte Herausforderung war das Anfertigen der Fahrwerksteile. Tom sieht lediglich einen Alubügel vor, was sicher funktional ist. Das Original hatte jedoch einen recht komplexen Drahtverhau, nicht unbedingt schön, aber den Look schon prägend. Wie das umsetzen? Die oben erwähnte Foxit-App und ein bisschen Prozentrechnung brachten die Lösung: Einfach den entsprechenden Ausschnitt des vorbildgetreuen Plans von Clive Smalley so skalieren, dass er zum aktuelleren Design von Tom Decker im von mir gewählten Maßstab passt.

Die Maße stimmten auf Anhieb, was für die grundsätzliche Qualität beider Pläne spricht. Der Rest war Trennen, Biegen und Schleifen von Federstahl … woran wohl nur Masochisten Freude haben, aber bald war auch das erledigt. Nach rund einem Monat Freizeigebastel liegt nun (Ende September) ein kompletter Bausatz vor. Die Teile sind nicht alle so perfekt, wie man es von CNC-gefrästen Kits gewöhnt ist, dafür ist der Vorfertigungsgrad deutlich höher und nicht zuletzt: Ein Großteil der „Denkarbeit“ ist auch schon erledigt.

Falls sich jemand über die „Kiste“ wundert: Ich habe den Cirrus Moth-Karton für den Avian Bausatz recycelt. Da beide Modelle fast die gleiche Größe haben (werden), passt er perfekt. 8)

Und nun beginnt der eigentliche Baubericht. ==[]
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  • Wurzelribs.jpg
  • Fahrwerk.jpg
  • Screenshot (2).png
  • Kit.jpg

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Samstag, 7. September 2019, 01:34

Die die erste Flächenhälfte ist (weitgehend) zusammenbaut. Dank Rechteckform und flacher Unterseite ist das nicht weiter schwierig. Die drei verstärkten Wurzelrippen müssen mit Material in Dicke der Beplankung zu unterfüttert werden, die hier später aufgebracht wird. Außerdem muss die innere Wurzelrippe (also die zum Rumpf hin) um fünf Grad angewinkelt verbaut werden. Die entsprechende Schablone ist im Plan zu finden. Für den Bau nehme ich normalen Weißleim, weil der schön langsam abbindet. Ich weiß, es gibt Leute, die das mit Sekundenkleber hinkriegen, aber dafür fehlt es mir irgendwie das nötige Mojo. Auch beim zweiten oder dritten Kontrollblick entdecke ich immer noch Ungenauigkeiten, die korrigiert werden wollen.

Was die oben erwähnten Abweichungen bei den Rippenabständen betrifft, habe ich mich für eine pragmatische Lösung entschieden. Ich werden den Plan für die linke Fläche zweimal benutzen, also einfach umdrehen und einölen zum Bau der rechten Flächenhälfte. Dann gibt’s zwar immer noch Abweichungen, aber wenigstens sind die dann auf beiden Seiten gleich.

Wie auf den Fotos unten zu sehen, gönne ich meinen Flächen Riblets, weil das Original sie auch hatte. Ein nettes Scale-Detail, das nicht viel wiegt und die Riblets sind auch fix zugeschnitten. Was noch fehlt: Die Beplankung über/unter den drei Wurzelrippen sowie die Messingröhrchen für den Steckverschluss, mit dem die Flächenhälften am Rumpf befestigt werden. Die, so ein Tipp von Tom, soll man erst einleimen, wenn beide Flächen so weit fertig sind.
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  • Fläche1.jpg
  • Fläche2.jpg
  • Fläche3.jpg
  • Fläche4.jpg

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F3B

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Samstag, 7. September 2019, 10:09

Hallo Janl,

schöne Fotos vom Bau deines neuen Modell :ok: viel Spaß beim bauen... :ok:


Gruß

Thomas :w

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Samstag, 7. September 2019, 13:01

Hallo Janl,

schöne Fotos vom Bau deines neuen Modell :ok: viel Spaß beim bauen... :ok:


Gruß

Thomas :w
Hallo Thomas - vielen Dank! Hier im Scale-Unterforum ist ja offenbar nicht so viel los und es motiviert, wenn man weiß, dass ein paar Kollegen mitlesen. :) Wobei ich zugegeben muss, dass Scale für mein Projekt etwas anmaßend ist. "Frei-nach-Schnauze-Scale", oder "Parkflyer-Scale" trifft es wohl eher. :D