41

Sonntag, 22. April 2018, 23:37

Das erscheint nicht umstaendlich und ist es auch nicht.
Ich habs zwar aus Zeitgruenden laengst aufgegeben, aber schon einige Motoren selber gewickelt. Und bei billigem Draht reicht kurz abflammen mit dem Feuerzeug und dann kurz mit Schleifpapier drueber.
Bei doppelt isoliertem Draht gehts wirklich nur mechanisch. Und die Loesung von Eddy ist da auch eine gute Methode die ich noch nicht kannte.
Gruss
Thomas
🖖

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haschenk

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42

Montag, 23. April 2018, 01:54

Hallo Leute,

beim Kupferlackdraht ist die Temperaturfestigkeit der Isolierung idR das wichtigste Kriterium. Innen in einer Spule oder Motorenwicklung kann es bärig heiß werden (sollte es aber nicht, aus anderen Gründen). Festigkeit gegen Rißbildung beim Biegen kann auch wichtig sein. Bei Motoren ist Poiyimid-Isolierung üblich; da ist dann mit Lötkolben oder Feuerzeug prakt. nichts mehr abzuisolieren, nur mechanisch (bei mir Abschaben mit Balsamesser, die zum Balsaschneiden schon zu stumpf sind).

Die Eigenschaften von Kupferlackdrähten/Litzen (Durchmesser, Aderzahl, Isolierung/Temperaturfestigkeit, Widerstand pro Meter etc.) werden in sog. Drahttabellen beschrieben. Diese beschafft man sich am einfachsten aus dem Web, z.B. hier:
http://www.heermann-gmbh.de/fertigungspr…kupferlackdraht

Noch als Tip, weil da schon manche Motorenwickler drüber gestolpert sind:
Der Nenn-Drahtdurchmesser bezieht sich immer auf den sog. "Blankdraht", da kommt noch die nicht zu vernachlässigende Isolierungsdicke dazu. Oder umgekehrt; was man mit Schieblehre oder Mikrometer misst, ist nicht der Kupferdurchmesser.

Gruß,
Helmut

43

Montag, 23. April 2018, 02:04

Moin Helmut,
haben Eddy und ich was anderes geschrieben?

Ich hab schon gelackte Draehte gehabt die haste nur scharf anschauen muessen und die Isolierung war weg. Und auch andere da konteste mit Feuer dran gehen und nichts hat sich getan.

Deshalb oben meine Aussage: "Es kommt auf den Draht an". :w
Gruss
Thomas
🖖

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haschenk

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44

Montag, 23. April 2018, 02:13

Thomas,

es schadet aber nicht, etwas über die unterschiedlichen Lacke zu wissen; nicht nur, daß es Unterschiede gibt.
Lies mal den Link.

Gruß,
Helmut

46

Montag, 23. April 2018, 21:53

Soweit gelesen. Hätte ich wirklich nie gedacht, daß es da so viele Unterscheidungen gibt (die auch Bedeutung haben, kann ich mir jetzt beser vorstellen).

Ist zwar fast OT, aber: hab mich bei BL immer gewundert, weshalb (Vereinfachung der Fertigung ?) die meisten Statoren so scharfkantig sind, nicht ausgerundet, daß die Isolation des gelackten Drahtes zumindest an den Kanten leiden muß ( der Draht muß da ja idR einige Male drum und die innerste Schicht könnt's leicht erwischen - Iso-Lack beschädigt, weil "stramm" gezogen wird). Eine deutsche Firma, die Edel-BL herstellt, vergießt die Wicklungen auch noch; dh es gibt dann nur noch einen "Klumpen" Spule, aber keine faßbar einzelnen Drähte mehr. Dabei werden diese Wicklungen anscheinend sogar noch verdichtet, dh die Drahtabstände in der Wicklung etwas komprimiert - hab's so aufgefaßt. Daß das Verfahren sehr aufwendig ist, die BL ihren Preis haben, kann ich mir Vorstellen - sind da dann später überhaupt noch Neuwicklungen machbar ? Doch eher nicht, oder ? Dafür isoliert das Verfahren wohl "perfekt".

Zudem hab ich mich gefragt, warum offenbar niemand auf die Idee kam, diese schweren Eisenblech-Statoren Innen hohl zu machen (Erleichterung). Wäre das Unsinn ? Glocke Gewichts-optimiert, Boden und anderes (Alu) auch, doch der Stator (besonders bei großen BL) ein Klotz, der gewaltig auf die Waage drückt. Aber das wäre wohl ein Post zur BL-Bautechnik oder so. Ein paar scheinen meine (meine ?) Anmerkung, man müßte die Welle "dicker" BL doch hohl machen können, aufgegriffen zu haben - so spart man auch etwas Gewicht.


@ Wolfgang (et all):
danke für Eure Links / Erklärungen. Die Entlackungspinzette scheint recht gut zu sein. Und austauschbar Klinge ist ein Wort, kein Wegwerf-Artikel (außer irgendwann die Klinge).
Gruß, Jockel

Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von »Tünnbüddel« (23. April 2018, 22:19)


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47

Montag, 23. April 2018, 22:38


So ein "Lackkratzer" gehörte mit zu den Werkzeugen die ich in meiner Lehre anfertigen musste. Der wurde auch für die damals üblichen LSL Drähte dringend gebraucht.
Auch heute noch tut er seine Dienste.
viele Grüsse

Bernd

Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile (Aristoteles)

Die Anrede "Jungs" gilt im Rahmen der Vereinfachung für Personen beiderlei Geschlechts. :D

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48

Montag, 23. April 2018, 23:05

Hi Jockel,
Statoren sind meist gecoatet, dh die haben an den Stielen eine Harzschicht zur Isolation.
Oder es liegen stirnseitig GFK-Scheiben oder sogar passige Kunsstoffhüllen drauf, die ein
Durchscheuern der Iso verhindern. Wenn mir zwischen den Stielen zuviel Harz ist, schleife/feile
ich das gerne auch mal raus. Dann passt oft auch dickerer Draht rein für mehr Füllgrad.
Kann ich gerne gelegentlich mal knipsen. Unisolierte Statoren habe ich noch nicht gesehen.

Klumpenspule wird wohl gemacht, damit es nicht reparierbar ist :O
Anderen oder technischen Sinn kann ich da nicht erkennen.

Wicklungen komprimieren? Halte ich für äusserst schwierig, kann leicht Wicklungsschlüsse geben.
Evtl. sind die Motoren deshalb so teuer, weil es nur bei jedem 3. klappt?

Das Gewicht der "schweren" Eisenblechstatoren ist im Vergleich zum Kupfergewicht fast vernachlässigbar.
Ausserdem braucht der Magnetfluss immer einen Rückschluss. Weniger Material = weniger Rückschluss.



CU Eddy
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Die meisten Menschen wollen lieber durch Lob ruiniert, statt durch Kritik gerettet werden.

49

Montag, 23. April 2018, 23:14

Sehe wir kommen wieder zurueck zu alten Zeiten.
Hab noch Blaeche usw. da die sich langweilen. Hab einfach keine Zeit mehr dafuer.
Gruss
Thomas
🖖

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50

Montag, 23. April 2018, 23:27

Ich wickel nur noch selten für Spezialfälle.
Es lohnt sich ja nicht mehr.
Obwohl....irgendwo liegen noch Teile für einen Kiss Katz. :D
viele Grüsse

Bernd

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51

Dienstag, 24. April 2018, 00:08

Wicklungen komprimieren? Halte ich für äusserst schwierig, kann leicht Wicklungsschlüsse geben.

Hallo,
ordentlicher Isolierlack hält schon was aus.
Vor über 30 Jahen hatten wir im Studium Tests durchgeführt. Da wurden zwei Kupferlackdrähte verdrillt und diese Stelle mit dem Hammer platt geschlagen.
Mit einem 1000 V-Widerstandsmessgerät konnte man keinen Schluss nachweisen! Das muss man selbst gesehen haben, um das zu glauben.

Gruß Hans-Jürgen

PS: Allerdings weiß ich nicht, ob die aktuellen Isolierlacke heute aus irgendwelchen Gründen, wie Preisdruck schlechter sind.

52

Dienstag, 24. April 2018, 00:31

Das mit dem Hammer geht auch bei einfacj isolierten Draehten.
Nur hast du halt da nur saubere Verwindungen. An nem Stator evtl. doch scharfe Kanten.

Aber das Beispiel ist nicht schlecht ws das Zeugs aushaelt.
:ok:
Gruss
Thomas
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haschenk

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53

Dienstag, 24. April 2018, 01:42

Hallo,

ja, da erinnert man sich an alte Zeiten, als man noch selbst gewickelt hat und wissen musste, wie so ein Motor funktioniert, und worauf es ankommt.....

Jockel,
das "Eisen" -in Form von isolierten Blechen innen und dem Rückschlußring außen- wird im Motor dringend benötigt zur Führung des sog. "magnetischen Flusses". Im Idealfall wäre da ein Vollzylinder ohne Nuten... aber dann könnte man keine Wicklung darin "vergraben". Die Abstimmung von "Eisenraum" und "Kupferraum" mit allen Details der Formgebung gehört zu den Aufgaben der Motorenbauer. Ein beispielhaftes Bild ("Momentaufnahme" während der Drehung) Im Anhang veranschaulicht das.

Das Bild stammt von http://www.aerodesign.de/peter/2001/LRK350/index.html ,
eine Webseite, die damals sehr bedeutsam war und von der man viel lernen konnte. Mal reinschauen erweitert auch heute noch den Horizont....

Und hier gibt's ein schönes Programm, mit dem man solche Berechnungen macht und Flusslinienbilder erstellt: http://www.femm.info/wiki/HomePage

Gruß,
Helmut
»haschenk« hat folgendes Bild angehängt:
  • Magnetischer Fluß im BL-Motor.jpg

haschenk

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54

Dienstag, 24. April 2018, 02:00

Hallo Eddy,

Zitat

Klumpenspule wird wohl gemacht, damit es nicht reparierbar ist
Anderen oder technischen Sinn kann ich da nicht erkennen.

Das gilt aber nur für "unsere" Motoren...
In anderen Anwendungen (auch nur für "Spulen") ist Vergießen unter Vacuum Vorschrift; da muß im Interesse höchster Betriebsicherheit noch letzte Quäntchen Luft raus. Ein Freund von mir arbeitet in einer Firma, die u.a. Einspritzpumpen für Großdiesel (für Containerschiffe u.ä.) herstellt; ein Ausfall des Motors kann dort zu riesigen Schäden führen. Entsprechend hoch sind die Vorschriften, wie in der Luftfahrt.

Grundsätzlich ist noch:
Die elektromagnetischen Kräfte wirken natürlich auch auf die Drähte ("Lorenzkraft"), und diese dürfen sich nicht bewegen, sonst "singt" die Wicklung.
Und die Fliehkräfte auch nicht vergessen.

Gruß,
Helmut

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »haschenk« (24. April 2018, 02:13)


55

Dienstag, 24. April 2018, 02:01

:ok:
koennt auch noch Bider rauskramen. Aber dann steigt mir R.O. auf die Fuesse.
Das waren echt noch Zeiten.
:ok: :D
Gruss
Thomas
🖖

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56

Dienstag, 24. April 2018, 07:37

Vielen Dank an alle !

Zu meiner Ehrenrettung kann ich immerhin sagen, das Meiste zwar schon mal gelesen zu haben, aber es ist so lange her, daß ich im Gedächtnis hätte graben müssen, um mich an irgend ein Fragment davon zu erinnern. Als zB Helmut die Bilder seiner letzten Posts verlinkte, fiel's mir wieder ein, daß ich da schon mal dran war. Aber manche Dinge muß ich mehrmals lesen, um sie endlich "drin" zu haben. Ist in der Schule / dem Studium etc ja oft auch so - Wiederholungen "brennen's" ins Gedächtnis. Die Statoren betreffend hab ich im Nachbarforum mal eine ellenlange Diskussion mitverfolgt, in der jemand mit verschobenen Dünnblechen arbeitete, also seitlich so Millimeterweise Stück für Stück (bei 0.2mm Stärke), daß am Ende nicht alle exakt übereinander lagen, sondern das jeweils nächste im Stapel um 0.5mm verdreht drauf. Ergebnis: in der seitlichen Projektion quasi diagonal verschoben. Damit, so meinte er, wird die Wicklung minimal länger. Und die Wirkung der Magnete beim "Vorbei huschen" ? BL-Lauf "flüssiger" ? Weiß es nicht mehr, aber war interessant.
Gruß, Jockel

Ströher

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57

Dienstag, 24. April 2018, 08:47

... das war eine sehr gute Lehrstunde!!! Danke dir Helmut, und auch dir Thomas!
Wenn ich den Vögeln am Himmel nach sehe, werde ich immer ein bisschen neidisch. :D Gruß Dieter