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Freitag, 1. Dezember 2017, 12:26

neue Segler / Motorsegler

Kann und möchte hier nicht alles über einen Kamm scheren. Aber es gibt zunehmend mehr Konstruktionen, die auf eine sogen. Steck- oder / und Rohrholm-Bauweise zurück zu führen sind. Daneben aber auch andere Konstruktionsprinzipien. Auch scheint es recht unterschiedliche Auffassungen zu Bauweisen zu geben, bis hin zu Äußerungen, wie zB "Holzbauweise bringt eh keine Unterschiede zutage" (oder so ähnlich).

Will versuchen, es mal grob zu ordnen, aber nicht gleich zu werten und die statischen Aspekte möglichst "Außen vor lassen":

Bei TF-Bauweisen ist doch wohl vor allem eine saubere, einheitliche und glatt wirkende Oberfläche gefragt. Wahrscheinlich niemand (?) wird daran zweifeln, daß Schalenbauweise daher ideal anmutet. "Offene" Rippenbauweise zeigt zwischen denselben mehr oder minder anderes Profil, als durch die Rippen vorgegeben und mutet daher schlechter geeignet oder gar minderwertiger an. Aber ist sie das wirklich ? Welche Aspekte spielen für die Leistungsfähigkeit einer Konstruktion überhaupt eine Rolle ? Und wie ist das Verhältnis zwischen Erreichtem und finanzieller Forderung dafür ?

Das derzeit maximal Mögliche zu fordern ist wahrscheinlich mit Umständen verbunden, die auch einen maximalen Preis dafür fordern - den sich vielleicht viele nicht leisten können oder / und wollen ? Sind Lösungen, die etwas niederiger angesetzten Maximen folgen, dabei immer abzulehnen oder bringen sie Vorteile ?

Wäre über rege Diskussionsbeteiligung dankbar, auch für weitere Ideen / Denkrichtungen - nur bitte so struktieriert und diszipliniert, wie möglich oder zumindest etwas.
Gruß, Jockel

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Freitag, 1. Dezember 2017, 22:28

Bei TF-Bauweisen ist doch wohl vor allem eine saubere, einheitliche und glatt wirkende Oberfläche gefragt.

Ganz ehrlich, genau diese Aspekte spielen bei mir gar keine Rolle.
Die Flächen+Leitwerke bei mir sind alle (außer Valenta Dragon) mit Turbolatoren beklebt.
Profiltreue, gesundes Steifigkeits-Gewichtsverhältnis, ausreichende Spannweite, mit der verbundenen Leistungsfähigkeit,
spielt bei mir eher eine Rolle. Im Konzept, kein Retro und vorwärtsfliegen, kommt keine offene Rippenbauweise vor.

Gruß Tom
T8FG>FPV-Race, Hangflug | Ersatzbank>Helis, Flächenflieger kleiner 3Meter Spannweite

3

Freitag, 1. Dezember 2017, 22:38

Hallo Tom,

ok. Hälst Du dann diese von mir angesprochenen Konstruktionen für verfehlt oder einfach nicht Deine Wahl ? Turbulatoren sind ja nicht unbedingt Standard, aber manchmal sicher eine sinnvolle Sache. In deine Zielgruppe fallen diese Modelle also eher nicht, sehe ich gerade (hab Deine Fußnote gerade gelesen), ist ja völlig ok. Aber für manchen sind sie es und wenn es für Dich Thema wäre (um 3m SPW, Holz-Rippen-Bauweise), was wäre Dir dann wichtig ?
Gruß, Jockel

4

Freitag, 1. Dezember 2017, 22:49

Leicht modifiziert, aus einem anderen Thread ("neuer Segler, CAD/Laser-Bausatz"), ohne Anspruch auf irgend etwas, nur um zu antworten (bin ja nicht unhöflich): Die "nett" gemeinte Aufforderung war, auf den Vergleich von "Clark Y" mit HQ-Profilen Daten zu liefern (die finden sich für weniger Lesefaule im benannten Buch, wozu also wiederholen ?) :


Wirklich erklären kann es wohl niemand so recht, aber messen, worauf Helmut in oa anderen Thread in Post #17 ja hingewiesen hat (ua sein Literaturzitat), und das ist gut so.

An Profilen gibt es bestimmte Merkmale, die größeren Einfluß auf das Ergebnis haben können, auch klar definiert sind. Ob das jedoch alles ist, was Einfluß haben kann, sei dahin gestellt.

Ein Schlüsselerlebnis für mich, in meiner Zeit des Segel- und dabei Hangfliegens war meine SB-10. Als damals recht modernes Segelflugzeug waren seine aerodynamisch relevanten Hauptmerkmale der Gesamtkonstruktion zB die enorme Streckung. Zu dieser Zeit eher ungewöhnlich, weil jeder wußte, daß geringe Profiltiefen ein höheres Risiko zu Strömungsabriß bedeuten. Vermeiden läßt sich das aber mit entsprechend hoher Umströmungs- und somit Fluggeschwindigkeit. Das Gesamtwerk SB-10 war also auf Strecke ausgelegt. Doch das war nicht das
Schlüsselerlebnis.

Ich erwarb damals, wie so viele, den Rumpf von Gewalt und die TF von Müller. Abachi-beplanktes Styro also. Müller war bekannt dafür, die besten Flächen in dieser Bauweise zu liefern. Als ich das schöne Modell zusammenbaute, beschloß ich, es nicht mit Folie, sondern Papier zu bespannen. Keine Ahnung wieso, aber mir gefiel Folie nicht (das ist bei mir auch heute noch so) und ich wollte ein Experiment machen. Ich arbeitete damals, viele Jahre, mit einem guten Freund, Schulkameraden und exzellenten Schreinermeister und einem weiteren, seines Zeichens Dekorateur, zusammen. Irgendwoher hatte ich Japanpapier von einer Größe, die TF-Hälften ober- und unterseits in einem Stück problemlos bespannen und spritzlackieren zu können. Genau das habe ich gemacht und – die TF war zwar „glatt“, hatte aber eine ganz leichte (Papier) Oberflächenrauhigkeit, kaum merklich, aber existent. Man sah es auch im Streiflicht, wenn man genau hin sah. Der 4.5m-Vogel flog so gut, daß ich ihn einmal in Hammer-Thermik fast verloren hatte, auf den Rücken drehen und dabei mit voll gezogenen Klappen langsam absteigen mußte. Verrückter geht's kaum (Ritz2-30-12, ein kniffliges, aber beherrscht sehr gutes Profil). Es war ein Kampf und ich muß noch heute daran denken, wenn ich an diesem Hang stehe (unweit meines Wohnorts). Als ich ihn heil wieder runter brachte war das erste, was Reiner (der Schreiner) sagte: „den Vogel will ich haben, verkauf ihn mir“. Weil's mein bester Freund war, hab' ich's gemacht – und später irgenwie, wegen des Modells, fast bereut. Einen so gut gebauten Segler hatte ich seither jedoch bislang nie wieder. Mich verbindet sehr viel mit der SB-10.

Alles egal bei Holzflächen ? Weit gefehlt. Nicht das Material, sondern die Form ist entscheidend ! Und hier sind wir auch wieder bei der Profilform. Das Problem heutiger GfK-TF ist mE deren enorme Glätte. Es klingt verrückt. Aber genau so, meine ich, ist es. Dazu später.

Was wir bei Profilen recht genau definieren, sind Nasenkreisradius, Nasenkreisposition, Profilsehnenverlauf, Profildicke (Punkt der höchsten Profildicke im Profil entlang dessen Strecke) und -wölbung, sowie dessen Rücklage sowie deren Re-Zahl-bezogenen Polaren.

Betrachten wir das „Clark Y“: gerade, waagrerechte Unterseite, die sich kurz vor der Nase langsam anhebt, aber auf jeden Fall nur vor dem Holm (der an der Stelle größter Profildicke liegen sollte). Moderater bis schwach ausgewölbter Nasenkreisradius. Oberseits ab der Nase starke Krümmung, bei etwa 30% auf Holmhöhe, dann stetig und allmählich abfallend. Es hat baulich Vorteile, aerodynamisch nicht, es sei denn, man argumentiert, daß Ablösungen eher Anstellwinkel-bedingt erzwungen werden müssen. Das „Clark Y“ wird oft abgewandelt, ist relativ „betagt“ (damit nicht schlecht), mW ehedem eher für Motorflug (also mehrheitlich große Profiltiefe) entwickelt, aber in den Leistungsdaten mit aktuellen Profilen für Hochleistungs-Segler nicht vergleichbar. Trotzdem hält es sich, aber vor allem wegen seiner baulichen Einfachheit und Vorteile, im Modellbau immer noch.

HQ-Profile: in den 80er Jahren etwa begann ihre Entwicklung, vorwiegend für den Leistungs-Segelflug bei Modellen. Es hat Leute gegeben, die „versehentlich“ Namensgleichheit kreierten, denen Dr. Helmut Quabeck sehr klug, statt mit juristischem Gezanke, dann einfach mit Umbenennung in HQ-W-“x“ begegnete – erfolgreich, wie sich zeigte. HQ-Profile wurden für Wettbewerbsmodelle im Modellsegelflug verwendet, Dr. Helmut Quabek war einige Zeit Mannschaftsführer der deutschen Crew. Sein von mir zitiertes Buch ist 408 Seiten dick und enthält seine gesamten Profile, die er entwickelt und vermessen hat, eben auch eine CD mit deren Daten. Es sind Semi-Laminarprofile. Ihr Nasenkreis-Radius zB ist lange nicht so „scharf“ wie der heutiger Rohrsteckbauweise-Modellkonstruktionen, was klare Vorteile hat (Strömungsabriß-Thema).

Kurz: da die Strömung an der Nase des Profils beginnt, dieses zu umfließen, hat die Form der Nase mit entscheidenden Einfluß auf das Umströmungsverhalten eines Profils. Stark herunter gezogene Nasen, insbesondere verbunden mit zu früh flach verlaufender Wölbung direkt danach und zu steilem Anstellwinkel, sowie Störungen der Grenzschicht, führen rasch und oft abrupt zu Strömungsabriß – einer gefährlichen Situation im Flug. Der Verlauf der Ober- und Unterseite bei HQ-Profilen trägt dem Rechnung. Die erste Ziffer bei HQ-Profilen gibt die Wölbung der Profilsehne in Prozent an, die zweite die größte Profildicke im Verlauf (alles in Prozent). Gestraakt ist es wichtig, an der Wurzel, aus baulichen / statischen Gründen, etwas mehr, aber nicht zuviel Profildicke zu wählen, dann nach Außen weniger. Man kann das auch, weil die Wurzelprofiltiefe es idR her gibt. Das ist, vor allem am TF-Ende, aber auch ein Risiko, da mit abnehmender Profildicke der Nasenkreisradius geringer wird und
somit anfälliger für die hier vorher geschilderte Problematik (Strömungsabriß). Die Wölbung sollte man innerhalb der TF-Halbspannweite möglichst nicht verändern, den Profiltyp nur in Ausnahmen.

Die Grenzschicht, bzw das, was auf und mit ihr stattfindet, ist ganz entscheidend am Erfolg eines guten Profils beteiligt. Störungen auf ihr im hinteren Bereich sind nicht so schlimm. Störungen aber im vorderen Bereich des Profils haben oft fatale Konsequenz (Stichwort: Strömungsabriß). Schaut man sich Profilpolaren an, sieht man, zumindest bei vollständigen Darstellungen, den Strömungsverlauf über dem Profil für diverse Re-Zahlen. Entdeckt man dabei sanft verlaufende, leichte Eindellung, ist das nicht unbedingt schlimm, aber schon ein Alarmzeichen. Ist die Delle heftiger, ist das Profil mit dieser Re-Zahl ungeeignet. Verläufe sollen hier bogenförmig glatt sein. Bei hohen Re-Zahlen sind sie das meist. Daher sind große Profiltiefen auch besser, als geringe. Bei (Segel-)Flugzeugen finden sich geringere Profiltiefen
am Außenende des Flügels.

Zurück zur Oberfläche der TF meiner Japanpapier-bespannten und spritzlackierten SB-10: ihre ganz schwache Oberflächenrauhigkeit trug wohl wesentlich dazu bei, daß die Stömung an den nur 9cm „tiefen“ Außenenden länger haften konnte. Warum ? Weil sehr geringe Störungen auch zum partiellen Beschleunigen der Umströmung führen und Strömung damit wieder anliegt. Erst bei "ausreichend" großer Störung reißt die Strömung ab. Daher waren bei unterschiedlichen Anstellwinkeln die Leistungen meiner SB-10 geradezu phänomenal. Und das war, nach besagtem Extremflug, der Grund, weshalb Reiner sie unbedingt haben wollte.

Der Vorteil der HQ-Profile liegt in ihrer enormen Bandbreite und Leistungsfähigkeit.
Gruß, Jockel

Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von »Tünnbüddel« (1. Dezember 2017, 23:25)


5

Freitag, 1. Dezember 2017, 22:57

Holzrippenbauweise? Ja, nur für einen Thermikschleicher oder einen Scalesegler und das nur Einmalig, dann kann man es wieder
abhaken, das man es einmal gebaut und geflogen hat.
Für die Konstruktion: Ein etwas dickeres Profil, vielleicht ein passendes von Nobert Habe, D-Box und eine messerscharfe Carbonendleiste muss sein.
Steckung Rundprofil, das reicht.

Gruß Tom
T8FG>FPV-Race, Hangflug | Ersatzbank>Helis, Flächenflieger kleiner 3Meter Spannweite

6

Freitag, 1. Dezember 2017, 23:14

Liest sich, für nicht-Thermik- oder Oldtime-Scale-Segler wie eine Empfehlung für Schalentiere. Die kosten. Segler-Enthusiasten kommen sicher, gerade am Hang, irgendwann auf die Lust danach. Die Empfehlung für Steckung mit Rundprofiil unterschreibe ich sofort, hat sich ja auch weitgehend als Standard durchgesetzt, D-Box auch. Das sehe ich als eines der Fragezeichen bei moderner Thermiksegler-Rohrbauweise (wohl der Vereinfachung der Bauweise / Herstellung geschuldet), den sehr enge NK-Radius dazu.

Was hälst Du von nicht-Holz-Modellen aus Schaumstoffen ? Welche Vor- und Nachteile siehst Du bei denen ? Wird von manchen Firmen zum Standard gekürt, das Gros der Angebote zumindest im Mainstream ist wohl so.
Gruß, Jockel

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Tünnbüddel« (1. Dezember 2017, 23:19)


7

Freitag, 1. Dezember 2017, 23:20

@ Beitrag 4 "Tünbüdel"

Bist du der Auffassung das dieser "Roman" so schön ist das er zweimal gepostet werden muss? Ich glaube kaum das es jemand freiwillig zweimal liest.

Kann es evtl. sein das dein Username bei dir Programm ist?

Heinz

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »hastf1b« (2. Dezember 2017, 17:30)


8

Freitag, 1. Dezember 2017, 23:36

Schaumstoff Pro:
-Preis, zumindest aus Einsteigersicht
-Reparaturfreundlich
-große Auswahl an Modellen
Schaumstoff Contra:
-Spannweite stark limitiert
-Flächenbelastung stark limitiert
-Profiltreue ist allein durch die dicke Endleiste nicht zu erreichen
-Flugleistung=Glücksache
-Empfindliches Material
-geringe Steifigkeit
-bei schnellen Manövern ist so ein Schaumsegler etwas überfordert
-etwas schwammiges Steuergefühl (wird aber ein Anfänger, Einsteiger nichts von merken)
-wenig Durchzug, geringe Höchstgeschwindigkeit
T8FG>FPV-Race, Hangflug | Ersatzbank>Helis, Flächenflieger kleiner 3Meter Spannweite

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Tom.S« (1. Dezember 2017, 23:45)


9

Freitag, 1. Dezember 2017, 23:38

Heinz,

der "Roman" hat ein paar Hundert Leser und ist nur der Höflichkeit halber "umgezogen", auch weil gewisse Leute anscheinend nicht akzeptieren wollen, was ich dort am Ende sagte. Auf Deine restlichen "Anmerkungen" gehe ich nicht ein.
Gruß, Jockel

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Tünnbüddel« (1. Dezember 2017, 23:53)


10

Freitag, 1. Dezember 2017, 23:48

Zitat

Auf Deine restlichen "Anmerkungen" gehe ich nicht ein - warum, muß ich wohl nicht erklären.


Doch. Bin gespannt.

Heinz

11

Freitag, 1. Dezember 2017, 23:51

Ja Tom,

so sehe ich das auch. Also wäre das ein Einstieg bzw eine günstig zu erstehende Lösung, aus aerodynamischer und statischer Sicht etc (Steuerpräzision, zumindest bei höherer Beanspruchung) nicht unbedingt das Gelbe vom Ei.

Was meinst Du zu zB Thermy 3, den Haien ? Wenn ich mir das Video zum Modell ansehe, hab ich den Eindruck, das Modell ist nicht nur Thermiksegler (obwohl hier nicht am Hang geflogen), sondern auch für zumindest moderaten Speed gut. D-Box hat es auch und wenn ich es richtig im Kopf habe, ja auch Rundsteckung. Also scheint es einen Übergang zwischen Thermikschleichern und Modell in Holz-Rippen-Bauweise zu geben, dessen weitere "Entwicklung" dann zB ein Schalentier sein könnte. Oder meinst Du, eher anders ?
Gruß, Jockel

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Tünnbüddel« (2. Dezember 2017, 00:05)


12

Samstag, 2. Dezember 2017, 00:04

Heinz, das war alles schon mal da, die Antwort darauf auch. Bitte frag mich jetzt aber nicht, wo genau das nachzulesen ist. Es ist doch jedermanns Sache, welchen Alias er sich gibt. Ich bin durch viele Verwandte aus jener Region des Plattdütsch geläufig und brauche niemand, der mich das ständig abfragt. Soll ich meinen Alias auf Deinen Wunsch hin ändern, möchtest Du das ? ich müßte Dich enttäuschen, denn ich tue es nicht.
Gruß, Jockel

13

Samstag, 2. Dezember 2017, 13:56

Soll ich meinen Alias auf Deinen Wunsch hin ändern, möchtest Du das ? ich müßte Dich enttäuschen, denn ich tue es nicht.


Bloß nicht, selten passt ein Nickname so sehr zur Person wie bei dir

14

Samstag, 2. Dezember 2017, 14:31

D-Box hat es auch und wenn ich es richtig im Kopf habe, ja auch Rundsteckung. Also scheint es einen Übergang zwischen Thermikschleichern und Modell in Holz-Rippen-Bauweise zu geben, dessen weitere "Entwicklung" dann zB ein Schalentier sein könnte. Oder meinst Du, eher anders ?

Sehe ich auch so. Mit D-Box ist es ein guter Kompromiss, wenn man damit leben kann.
Möchte man die Maxime ansteuern, kommt man um die teure Carbonfaser nicht herum.

Gruß Tom
T8FG>FPV-Race, Hangflug | Ersatzbank>Helis, Flächenflieger kleiner 3Meter Spannweite

haschenk

RCLine User

Beruf: Dipl. Ing.

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15

Samstag, 2. Dezember 2017, 16:38

Hallo Jockel,

zu deinen etwas langen Ausführungen möchte ich noch ein paar Punkte richtigstellen.

Helmut Quabeck hat seine Profile zwar berechnet, aber er hat sie nie gemessen (die kompl. Modelle aber wohl schon, soweit möglich). Das soll jetzt aber nicht als Mangel gelten; das gilt für viele andere Profile gleichermaßen. Einzelne Profile davon sind aber -auf Grund anderer Initiativen- in den speziellen Windkanälen für "Low-Re-Profile" gemessen worden.

Die HQ-Profile sind auch nicht die einzige Möglichkeit für Hochleistungsmodelle. Da gibt es z.B. die MH- (Martin Hepperle), die E- (Richard Eppler), die RG- (Rolf Girsberger) und die S- (Michael Selig) Profile. Auch davon sind einige gemessen worden. Alle diese "modernen" Profile wurden mit denselben Rechenverfahren (gfls. mit geringen Varianten) berechnet, und ein Teil davon hat auch Wettbewerbserfolge zu verzeichnen.

Wenn ich deine Ausführungen lese, dann kommt darin das Allerwichtigste -nämlich die "laminare Ablöseblase" (mit idR) Wiederanlegen- garnicht vor. Auf jedem Profil bildet sich bei kleinen Re-Zahlen eine solche aus, und deren Beherrschung ist das "A und O" eines Profilentwurfs. Dies versucht man über die Vorgabe der Druckverteilung über das Profil zu erreichen, wobei es durchaus verschiedene "Philosophien" gibt. Es ist hier nicht der Ort, über diese Dinge zu diskutieren; das würde auch umfangreiches Wissen und Erfahrung erfordern.

Insofern sind deine Ausführungen eine Art "Spiegelbild" des Quabeck-Buches ("Design, Leistung und Dynamik von Segelflugmodellen", 1.Auflage). Man kann dir das nicht verübeln. denn auch in dem Buch kommen diese Dinge ("Strömungsmechanismen der Ablöseblase") spärlich oder garnicht vor. In einer Rezension würde ich das als echten Mangel des an sonsten recht guten Buches bezeichnen.
Viel besser macht es da Martin Simons in seinem Buch "Model Aircraft Aerodynamics"; da wird das ausführlich und mit einigen Zeichnungen erklärt. Leider halt in Englisch, was für Manche eine große Hürde ist. Es gab mal ein deutsche Übersetzung (durch Walter Bender) davon beim vth, doch die ist ausverkauft und nur noch antiquarisch zu einem unakzeptablen Preis erhältlich. Wer halbwegs Englisch kann, sollte sich dieses Buch kaufen; bei Amazon ca. 15 Euro.


Letztendlich ist aber das Tragflügelprofil nur einer unter verschiedenen Punkten eines Modellentwurfs. Ein erfolgreiches Modell ist immer eine Art "Gesamt-Kunstwerk" und ein Kompromiss zwischen diversen Zielkonflikten; nicht zuletzt zwischen Flugleistungen und Flugeigenschaften. Und das Können des Piloten wollen wir auch nicht vergessen....


Gruß,
Helmut

16

Samstag, 2. Dezember 2017, 16:48

Jetzt kommt sicher gleich die Antwort vom Tüddel, daß er daß ja sowieso alles weiß und kann nur in der Eile noch nicht geschrieben hat.

Er ist halt der Meister himself :dumm: , auch wenn er seine Aussage

Zitat

Wenn ihr konstruieren wollt, fragt mich. Ich glaube sagen zu können, daß ich Erfahrung habe, gerade darin.
inzwischen gelöscht hat.

17

Samstag, 2. Dezember 2017, 17:34

...moin, laut Kalender hat ja gerade die schöne und besinnliche Zeit begonnen. Hier wohl eher noch nicht, oder??

Grüsse, Kai

18

Sonntag, 17. Dezember 2017, 03:11

Ich amüsiere mich immer wieder daran das es viele Modell Flugpiloten gibt die behaupten das Rippenflügel nichts wert sind höchstens für langsame Thermikschnüffler geeignet sind. Das nur Carbon voll Kunststoff Segelflieger die besten Modelle sind.

Wenn man mit ihnen dann ein Wett fliegen veranstaltet wer heute am längsten oben bleibt sind diese ach so teueren Modelle dann viel früher am Boden. Die Ausreden kommen dann in Form ich wollte doch noch ein bisschen herum heizen es war mir einfach zu langweilig in der Thermik zu Kurbeln. Fakt ist aber durch die Hochglanzoberflächen müssen diese Modelle in der Regel schneller geflogen werden was dann auch wieder eine höhere Konzentration im Thermik Flug benötigt. Die Piloten ermüden dann auch viel schneller die Konzentration lässt nach und schon verpassen sie den Anschluss zur Thermik.

Meiner Meinung nach sind diese sehr teuren Kunststoffmodelle und dessen Vermarktung bewusst werbemässig hochstilisiert worden um mehr Geld zu verdienen damit.

Der grösste Teil der Modellflieger benötigte solche Modelle gar nicht wäre mit normalen Rippenbauflügel oder Styrol Sandwichflügeln mehr als ausreichend gut bedient. Und könnten damit mehr als genügend Spass haben ob am Hang, Thermik oder einfach nur zum Spass. Bei richtigen Profile und Flügelaufbau spielt es absolut keine Rolle ob er ihm Rippenbau Weise, Styrol Apache Bauweise oder im Formenbau hergestellt wird. Die Dinger fliegen egal in welcher Bauweise sie hergestellt werden.

Interessanterweise Fliegen auch uralt Modelle die vor 10- 40 Jahren schon gebaut wurden heute noch zuverlässig nur die Elektronik und die an Lenkung haben sich gewandelt und geändert.

Natürlich gibt es Ausnahmen wer Hochgeschwindigkeit Segelfliegen will und versuchen möchte die 1 000kmh grenze zu knacken der wird um die Carbon Bauweise wohl kaum herumkommen.
und wer seine Segel im Flachland nur hoch schmeissen will der wird jedes Gramm versuchen zu sparen um den kleinsten Hauch von Thermik ausnutzen zu können mit der wenigen Höhe die er beim hochschmeissen ereischt. usw.

Genau das gleiche habe ich beobachtet mit dem teilweise Gewicht sparen Wahn der einige Zeit betrieben wurde. Interessant daran war das man dann wieder Gewicht in die Segel schmeisst damit sie auch wirklich gut fliegen, nachdem sie vor gängig mit allen Mitteln der Kunst und viel Geld möglichst leicht gebaut wurden. Ich kenne Leute die haben sogar an der Isolierung der Servo Kabel gespart um diese paar Gramm einzusparen.
Bitte entschuldigt meine Rechtschreibfehler bezeichne mich als
rechtschreibblinder. Das ist so ähnlich wie bei einem farbenblinden der
die Farbe nicht erkennt.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »LeoS« (17. Dezember 2017, 03:21)


19

Sonntag, 17. Dezember 2017, 18:56

Hallo LeoS,

sehe vieles genau wie Du. Wenn ich an die Zeit manntragenden Segelflugs denke, waren es "alte" Kisten (nach heutigem Maßstab), auf denen geschult wurde (ASK 13 zB). Natürlich gab's auch moderne GfK-Doppeklsitzer (Twin Astir zB), die viele gerne flogen. Die Unterschiede im "Oben bleiben" lagen wirklich eher im Geschick, der Sensibilität der jeweiligen Piloten, weniger im Material. Wer Kunstflug wollte, nahm die Twin Astir, mit der ASK-13 versuchte das keiner. Aber kurbeln ging mit beiden, und häufig genug blieben einige von uns mit der "Alten" länger Oben. Vielleicht auch, weil viele sie besser kannten.

Ich hab früher auch mit Modellen Hangflug betrieben, viele Jahre. Und erfolgreich, auch mit Großseglern. Länger Oben blieb ich oft mit meiner SB-10 - weil ich sie bewußt anders gemacht habe, als die meisten von uns ihre Großsegler oder gar Voll-GfK-Teile (die ja fast fertig gekauft werden), die's damals auch schon gab. Und besser kannte, denn ich flog sie sehr oft. Klar gibt es Gleitzahlen und die sind bei "modernen" Seglern idR höher. Aber ob man sie nutzt, hängt nicht nur von Material ab. Wenn die Unterschiede grß sind, nimmt die Wahrscheinlichkeit ab, daß der Pilot sehr viel ausmacht, zumindest bei vergleichbarem Können. Wenn nicht, sehe ich's auch eher von ihm abhängig.

Mit den Voll-GfK-Teilen (auf Modelle bezogen) seh' ich's auch wie Du. Sie sind idR recht kostspielig. Und manchmal, nicht bei jedem, werde ich das Gefühl nicht los, daß da etwas stattfindet, was eigentlich ganz woanders hin gehört. Ich führ' das jetzt nicht aus, was ich meine. Darf sich jeder selbst denken. Für mich jedenfalls mindestens 3 Schubladen weiter Unten.

Wenn jemand einen anderen Eindruck auf mich macht, hab ich keine Not mit solchen Teilen. Sie sind durchaus schön. Aber nur weil sie so behandelt werden, wie meist, muß man sie nicht auch toll oder über allem anderen stehend finden. Ich hab "alte" Modelle gesehen, die es an Können im Bau und auch beim Fliegen locker mit jedem GfK- oder gar CfK-Teil aufnehmen können ("Oben bleiben"). Und vor so etwas mindestens genau so viel Achtung, meist mehr.

Wir alle betreiben EIN Hobby. Es muß jeder die Freiheit haben können, für SICH selbst zu entscheiden, womit er am ehesten glücklich wird. Es von ANDEREN in gleicher Weise zu fordern, ist für mich völlig DANEBEN. Ihn vielmehr so akzeptieren, wie er es für sich entscheidet, macht uns zu Menschen, die's nicht nur biologisch sind, sondern auch zeigen, was TOLERANT sein heißt. Ob das nur uns Menschen auszeichnet, laß ich dahin gestellt.
Gruß, Jockel

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Tünnbüddel« (17. Dezember 2017, 19:03)


haschenk

RCLine User

Beruf: Dipl. Ing.

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20

Sonntag, 17. Dezember 2017, 20:32

Hallo,

falls ihr etwas solidere Argumente für die Diskussion braucht:
http://www.uni-stuttgart.de/akamodell/Windkanal_RES.pdf
Messungen an Holm/Rippen- und halb-beplankten Flügeln.
Messungen an "perfekten" Profilen gibt's noch viel mehr; das lass' ich jetzt erstmal weg.

Gruß,
Helmut