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Sonntag, 2. Mai 2021, 19:33

Richtungsfehlinterpretation

Seit etwa einem Monat fliege ich einen ASW28 Volantex Motorsegler. Er ist groß genug, um ihn so generell am Himmel auszumachen, aber
da passiert manchmal etwas, was ich mir nicht erklären kann.
Wenn ich beispielsweise eine Linkskurve (geschätzte Entfernung 200m oder etwas mehr) fliege, passiert es mir, dass der Flieger in
einen Winkel gerät, wo ich Probleme habe, festzustellen, ob er zu oder von mir fliegt.

Und das kann so schnell ins Auge gehen.

Die Experten gaben mir folgenden Tipp: 1. Im Kopf weiterfliegen wie man begonnen hat und ruhig bleiben. Das habe ich versucht, aber plötzlich flog der tatsächlich von mir weg.

Am Simulator kann ich 100 Starts mit 100 oder 90 Landungen problemlos bestehen.

Jetzt habe ich selbst Maßnahmen gesetzt:

1. Den Flieger komplett beleuchtet (rot/grün/weiß)
2. Ich versuche die Manöver näher durchzuführen
3. Ich fliege nur bei wenigen km/h Windgeschwindigkeit
4. Sonnenbrille und Kappe
5. Sonne - wenn geht - immer im Nacken

Kennt jemand diese optische Täuschung, wenn der Flieger mit mäßigem Querruder in die Kurve geht und man sich fragt: "Fliegt er von oder zu mir?"

Ich trage keine Brille, weil ich in der Ferne 100% Sehleistung habe.

Das gedankliche Weiterfliegen funktioniert nur bedingt, weil der Wind oftmals seine Spielchen mit dem Flieger macht und ein bloßes Beibehalten
der eingeschlagenen Flugrichtung trotzdem zu einer ungewollten Richtung führen kann.


Also wer zu meinen bereits selbst herausgefundenen Punkten noch ergänzen kann; gerne!

:) :) :) :shine:

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Peter Kabasser« (2. Mai 2021, 20:06) aus folgendem Grund: Verbesserung des Textes


2

Sonntag, 2. Mai 2021, 20:46

Hallo
Nun ja, das und noch spannenderes wird dir passieren. Kommt ein Segler in großer Höhe auf dich zu und schaust du nur mal kurz auf deinen Sender ... ist er manchmal optisch "weg". Ein finden am Himmel gestaltet sich dann als Suchspiel. Für dein und solche Probleme ist es meist hilfreich eine definierte weite Kurve zu fliegen. Wenn es eine Angstkurve ist, dann etwas Motor dazugeben. Dabei erkennst du dann die Flugrichtung und durch die Sonne werden meist die Tragflächen "spiegeln".
Falls dein Flieger selbst Kurven fliegt, teste ob dein Seitenruder neutral eingestellt ist und die Querruder auch.
Der Rest ist halt Übung und später Routine ...
Sollte er wirklich mal weg fliegen, dann mit weiter Kurve umdrehen (damit du nicht zu viel Höhe verlierst) und auf dich zu fliegen. Dabei gilt - immer dahin steuern (Querruder) wo die Fläche hängt ....
Einfach nur den Wind im Auge behalten, meist wird ein Segler stark vom Wind versetzt und dann dauert gegen den Wind fliegen - gefühlt ewig.

mfg HF
Telemetrie?
"Ich FASSTe so lange, bis Sender die gecrashten Teile online bestellen können!"

Hilmar

RCLine User

Wohnort: NRW-48149 Münster

Beruf: Designmodellbauer / Fachredakteur Bauplanmodelle bei FlugModell

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3

Sonntag, 2. Mai 2021, 22:13

Die Experten gaben mir folgenden Tipp: 1. Im Kopf weiterfliegen wie man begonnen hat und ruhig bleiben. Das habe ich versucht, aber plötzlich flog der tatsächlich von mir weg.
Damit hast Du tatsächlich einen sehr guten Tipp erhalten.
Es ist reine Routinesache, dass Du irgendwann ganz klar weißt was das Modell macht, weil Du das ja gerade eben noch durch Dein Steuern so veranlasst hast.

Du wirst Dich mit genügend Erfahrung nicht mehr durch Dein Auge in die Irre führen lassen.


Nervös wird man, wie Du's schon richtig beschreibst, wenn zum Beispiel der Wind das Modell unerwartet wegdrückt und Du gar nicht weißt in welche Richtung. Auch das kann ich bestätigen - und hier gilt weiterhin Dein zitierter Tipp: ruhig bleiben.

Wenn das aus der Neutralfluglage heraus passiert, kann's eigentlich nicht allzu dramatisch sein. Dann hast du hoffentlich noch etwas Zeit, um die Fluglage neu einzuschätzen und einen kurzen Steuerimpuls in die Richtung zu geben, von der Du entscheidest dass es die korrekte Gegenrichtung ist.

Wird die Fluglage dadurch "besser", dann liegst Du richtig. Wenn nicht, hast Du zumindest ein Korrekturergebnis und kannst nunmehr richtig handeln.
Dann heißt es: sofort die visuelle Fehlentscheidung durch Dein Wissen überschreiben.


Auch diese unerwarteten Flugsituationen aufgrund äußerer Störeinflüsse lassen sich durch Routine entschärfen. Beim Thermikfliegen zum Beispiel kommt es ja geradezu permanent darauf an, dass sich irgendwann eine der Tragflächen unaufgefordert hebt, und Du wirst natürlich vorher nicht wissen, welche.


Letztendlich kann ich zu dem Thema nur raten, so viel Flugpraxis wie möglich anzusammeln und einen sauberen Flugstil zu pflegen.

Wer sein Modell stets präzise mit allen Achsen um die Kurven fliegt, erkennt viel schneller, wenn die Fluglage ungewöhnlich aussieht. Jemand, der nur mit Höhe und Quer rumgurkt und es gewohnt ist, dass das Modell irgendwie um die Kurve schiebt, der erkennt eine kritische Fluglage möglicherweise zu spät.



Bei dem Ding hier beispielsweise ist es mit einer Fluglagenerkennung nicht weit her. Da hilft dann echt nur noch Routine und Coolness.
:O







Herzlichst
Hilmar.
Bauplanbibliothek online: www.lange-flugzeit.de
Flugvideos, Bautipps und mehr: Youtube-Kanal

4

Sonntag, 2. Mai 2021, 23:23

Die Tips, die man dir gegeben hat, sind alle gut. Hier geht´s um 2 Dinge. das erste hat Hilmar schon schön beschrieben.
a)tens (Die Rettung): ruhig bleiben und versuchen systematisch und ohne Umwege die Kontrolle wieder herstellen.
b)tens (Das Handwerk): War auch unter den Tips. Flieg nicht weit weg. Turne in sicherer Höhe (min 2 Abstürze hoch :dumm: ) herum und behalte den Flieger möglichst nah bei dir. Wenn du das tust, kreise nicht nur in eine Richtung, sondern versuche dich mit gewollten Flugfiguren zu steigern. Kreis links, Kreis rechts, Acht links, Acht rechts, mal nen Loop, ne Schraube eingebaut u.s.w..
Wiederhole die Sequenzen, bis sie dir flüssig von der Hand laufen und "schön" aussehen.
Das macht nicht nur Spass sondern schafft Synapsen und Muskelerinnerungen. Diese Dinge helfen dir dann in Zukunft bei a)tens, Hilmars gutem Rat in die Tat umzusetzen :applause:
Hier kommt b) ausnahmsweise mal vor a).
Gruß Stefan

Ich hab auch ein Flugzeug :dumm:

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »van3st« (2. Mai 2021, 23:29)


Hilmar

RCLine User

Wohnort: NRW-48149 Münster

Beruf: Designmodellbauer / Fachredakteur Bauplanmodelle bei FlugModell

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5

Montag, 3. Mai 2021, 00:43

Wiederhole die Sequenzen, bis sie dir flüssig von der Hand laufen und "schön" aussehen.
Ja, das ist auch noch ein guter Punkt.
Mein Beispielvideo mit ROUVEN ist ein Extrem, das zeigen soll, dass man stets aus den unmöglichsten Situationen die Kontrolle wiedererlangen kann.


Demgegenüber würde ich jederzeit behaupten, dass solch einen chaotischen Flugstil jeder Schimpanse hinbekommt. :evil:
Viel wichtiger ist es, immer schön weiträumig und sanft zu fliegen. Je enger und gezwungener man die Kurven hinwürgt, desto größer die Gefahr, dass die Fluglage plötzlich unangenehm wird.






Aber noch einmal zurück zu dem Kipp-Bild-Phänomen.

Also die Situation, wo man dem Flieger am Himmel hinterher schaut und sich plötzlich fragt "huch! Kommt er, oder geht er?!"
Diesen Augenblick quittiert der Körper oft mit spontanem Schweißausbruch, also gilt hier ganz besonders: einen kühlen Kopf bewahren. Von alleine stürzt das Ding noch nicht ab. Meistens erst dann, wenn man selber aktiv Mist baut.

Diese besagte optische Täuschung tritt dann ein, wenn das Flugzeug entweder im ca. 45° Winkel in einer leichten Schräglage auf einen zu fliegt, oder eben von einem weg. Gar nicht besonders hoch, so dass es ebenso sein könnte, dass man den Flieger von unten links oder von oben rechts betrachtet.


Stellen wir uns folgendes Szenario vor:

Wir sehen und wissen, dass der Flieger beispielsweise gemütlich und friedlich von rechts nach links vor uns her fliegt. Alles easy soweit, und wir lassen ihn einfach laufen, ohne Steuereingaben.

Jetzt kommt es durch irgendeine äußere Einwirkung dazu, dass sich ein schleichender Kurvenflug einstellt, ganz ohne dass man gesteuert hätte, aber es stellt sich dabei auch noch eine gewisse Schräglage ein. Was sehen wir dann? Dieses unangenehme Kipp-Bild, nur eben als Flugzeug anstatt eines Würfels.



https://i.stack.imgur.com/VUcj5.gif



Zur Rettung hilft folgende Erkenntnis:

Wir erinnern uns: das Modell fliegt tendenziell nach links, und wir sehen das böse Kipp-Bild.
Jetzt muss eine Entscheidung gefällt werden, die mit einer 50% Wahrscheinlichkeit zutreffen wird, und die es nun zu verifizieren oder zu falsifizieren gilt.

Wir nehmen in diesem Moment einfach mal unwissenderweise an, dass das Modell in eine Linkskurve, also auf uns zu abgedriftet sein könnte. Wenn wir nun eine sanfte (!!) Steuereingabe in Richtung Linkskurve geben, dann sollte es sich eigentlich noch weiter auf uns zu bewegen und die bislang problematische 45°-Seitenlage direkt in eine gerade Linie umwandeln. Als Nächstes sollte man also erkennen, dass uns das Modell geradewegs anschaut, wenn wir richtig liegen.

Was aber passiert, wenn wir mit der Richtungsannahme falsch liegen? Also wenn das Modell um 45° gedreht von uns weg, in Tendenz einer Rechtskurve fliegt? Dann wird unsere Entscheidung, nach links zu driften, als nächstes eine Fluglage parallel zu uns bewirken, was eine Weile dauern wird, weil der Flieger erst die Flugrichtung wechseln muss. Halten wir die Kurve, geht es wieder im 45°-Winkel auf uns zu, und erst dann kommt er geradewegs auf uns zu geflogen.


Dieses Rettungssystem funktioniert deshalb, weil wir ja wissen, in welche Richtung wir gerade lenken. Wir füllen die Gleichung also mit einer Bekannten auf. Die verbleibende Unbekannte wird sich durch reines Beobachten von selbst enttarnen.

Sobald man die Situation aufgrund dieser Vorgehensweise korrekt beurteilt hat, kann man die optische Täuschung durch Kenntnis überschreiben und mit der vollen Kontrolle in Ruhe weiterfliegen.









Anekdote (hier sagt man Fliegerlatein):

mir ist das mal im Nachtflug passiert, als der leichte Depron-Elektrosegler vom auffrischenden Wind über den Wald abgetrieben wurde. Ich konnte absolut keine Fluglage erkennen, nur einen leuchtenden Punkt, aber ich wusste zumindest, dass das Modell sehr eigenstabil fliegt. Nur: wohin fliegt es bloß?

Also cool bleiben, und einfach einen konstanten, weiträumigen Kreisflug steuern. Das bedeutet: gaanz wenig Seitenruder, in eine mir bewusste Richtung.
Was ich jetzt sehe, ist, dass der Punkt abwechselnd nach rechts und links wandert. In dem Moment, wo er auf mich zu kommt oder weg fliegt, bleibt er optisch kurz stehen. Da ich die Kreisflugrichtung kenne, weiß ich, ob ich beim Stillstand rechts oder beim Stillstand links auf mich zu komme.

In diesem Moment, bzw. kurz davor, muss ich gegenlenken, so dass der Stillstand des Punktes beibehalten wird. Prima, wir sind also wieder auf Heimflug-Kurs. Aber stimmt das wirklich?

Das bekomme ich heraus, indem ich wieder ganz sanft in eine Richtung lenke. Tue ich das nach links, und der Punkt wandert nach rechts, dann kommt er auf mich zu, und ich muss diese Richtung nur beibehalten und warten bis er endlich bei mir ankommt.

Anderenfalls heißt es: nochmal cool bleiben und eine 180°-Kehre fliegen. Also wieder lenken, schauen bis das optische Pendel einmal ausgeschlagen ist, und dann gerade legen und abwarten.

Das hat damals tatsächlich geklappt, und der Flieger ist noch immer wohlbehalten bei mir.
Puh. Manchmal kommt man mit Logik weiter als mit reinem Reaktionsvermögen.







Herzlichst
Hilmar.
Bauplanbibliothek online: www.lange-flugzeit.de
Flugvideos, Bautipps und mehr: Youtube-Kanal

Dieser Beitrag wurde bereits 7 mal editiert, zuletzt von »Hilmar« (3. Mai 2021, 01:22)


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Montag, 3. Mai 2021, 22:05

Die Experten gaben mir folgenden Tipp: 1. Im Kopf weiterfliegen wie man begonnen hat und ruhig bleiben. Das habe ich versucht, aber plötzlich flog der tatsächlich von mir weg.
Damit hast Du tatsächlich einen sehr guten Tipp erhalten.
Es ist reine Routinesache, dass Du irgendwann ganz klar weißt was das Modell macht, weil Du das ja gerade eben noch durch Dein Steuern so veranlasst hast.

Du wirst Dich mit genügend Erfahrung nicht mehr durch Dein Auge in die Irre führen lassen.


Nervös wird man, wie Du's schon richtig beschreibst, wenn zum Beispiel der Wind das Modell unerwartet wegdrückt und Du gar nicht weißt in welche Richtung. Auch das kann ich bestätigen - und hier gilt weiterhin Dein zitierter Tipp: ruhig bleiben.

Wenn das aus der Neutralfluglage heraus passiert, kann's eigentlich nicht allzu dramatisch sein. Dann hast du hoffentlich noch etwas Zeit, um die Fluglage neu einzuschätzen und einen kurzen Steuerimpuls in die Richtung zu geben, von der Du entscheidest dass es die korrekte Gegenrichtung ist.

Wird die Fluglage dadurch "besser", dann liegst Du richtig. Wenn nicht, hast Du zumindest ein Korrekturergebnis und kannst nunmehr richtig handeln.
Dann heißt es: sofort die visuelle Fehlentscheidung durch Dein Wissen überschreiben.


Auch diese unerwarteten Flugsituationen aufgrund äußerer Störeinflüsse lassen sich durch Routine entschärfen. Beim Thermikfliegen zum Beispiel kommt es ja geradezu permanent darauf an, dass sich irgendwann eine der Tragflächen unaufgefordert hebt, und Du wirst natürlich vorher nicht wissen, welche.


Letztendlich kann ich zu dem Thema nur raten, so viel Flugpraxis wie möglich anzusammeln und einen sauberen Flugstil zu pflegen.

Wer sein Modell stets präzise mit allen Achsen um die Kurven fliegt, erkennt viel schneller, wenn die Fluglage ungewöhnlich aussieht. Jemand, der nur mit Höhe und Quer rumgurkt und es gewohnt ist, dass das Modell irgendwie um die Kurve schiebt, der erkennt eine kritische Fluglage möglicherweise zu spät.



Bei dem Ding hier beispielsweise ist es mit einer Fluglagenerkennung nicht weit her. Da hilft dann echt nur noch Routine und Coolness.
:O







Herzlichst
Hilmar.
Wiederhole die Sequenzen, bis sie dir flüssig von der Hand laufen und "schön" aussehen.
Ja, das ist auch noch ein guter Punkt.
Mein Beispielvideo mit ROUVEN ist ein Extrem, das zeigen soll, dass man stets aus den unmöglichsten Situationen die Kontrolle wiedererlangen kann.


Demgegenüber würde ich jederzeit behaupten, dass solch einen chaotischen Flugstil jeder Schimpanse hinbekommt. :evil:
Viel wichtiger ist es, immer schön weiträumig und sanft zu fliegen. Je enger und gezwungener man die Kurven hinwürgt, desto größer die Gefahr, dass die Fluglage plötzlich unangenehm wird.






Aber noch einmal zurück zu dem Kipp-Bild-Phänomen.

Also die Situation, wo man dem Flieger am Himmel hinterher schaut und sich plötzlich fragt "huch! Kommt er, oder geht er?!"
Diesen Augenblick quittiert der Körper oft mit spontanem Schweißausbruch, also gilt hier ganz besonders: einen kühlen Kopf bewahren. Von alleine stürzt das Ding noch nicht ab. Meistens erst dann, wenn man selber aktiv Mist baut.

Diese besagte optische Täuschung tritt dann ein, wenn das Flugzeug entweder im ca. 45° Winkel in einer leichten Schräglage auf einen zu fliegt, oder eben von einem weg. Gar nicht besonders hoch, so dass es ebenso sein könnte, dass man den Flieger von unten links oder von oben rechts betrachtet.


Stellen wir uns folgendes Szenario vor:

Wir sehen und wissen, dass der Flieger beispielsweise gemütlich und friedlich von rechts nach links vor uns her fliegt. Alles easy soweit, und wir lassen ihn einfach laufen, ohne Steuereingaben.

Jetzt kommt es durch irgendeine äußere Einwirkung dazu, dass sich ein schleichender Kurvenflug einstellt, ganz ohne dass man gesteuert hätte, aber es stellt sich dabei auch noch eine gewisse Schräglage ein. Was sehen wir dann? Dieses unangenehme Kipp-Bild, nur eben als Flugzeug anstatt eines Würfels.



https://i.stack.imgur.com/VUcj5.gif



Zur Rettung hilft folgende Erkenntnis:

Wir erinnern uns: das Modell fliegt tendenziell nach links, und wir sehen das böse Kipp-Bild.
Jetzt muss eine Entscheidung gefällt werden, die mit einer 50% Wahrscheinlichkeit zutreffen wird, und die es nun zu verifizieren oder zu falsifizieren gilt.

Wir nehmen in diesem Moment einfach mal unwissenderweise an, dass das Modell in eine Linkskurve, also auf uns zu abgedriftet sein könnte. Wenn wir nun eine sanfte (!!) Steuereingabe in Richtung Linkskurve geben, dann sollte es sich eigentlich noch weiter auf uns zu bewegen und die bislang problematische 45°-Seitenlage direkt in eine gerade Linie umwandeln. Als Nächstes sollte man also erkennen, dass uns das Modell geradewegs anschaut, wenn wir richtig liegen.

Was aber passiert, wenn wir mit der Richtungsannahme falsch liegen? Also wenn das Modell um 45° gedreht von uns weg, in Tendenz einer Rechtskurve fliegt? Dann wird unsere Entscheidung, nach links zu driften, als nächstes eine Fluglage parallel zu uns bewirken, was eine Weile dauern wird, weil der Flieger erst die Flugrichtung wechseln muss. Halten wir die Kurve, geht es wieder im 45°-Winkel auf uns zu, und erst dann kommt er geradewegs auf uns zu geflogen.


Dieses Rettungssystem funktioniert deshalb, weil wir ja wissen, in welche Richtung wir gerade lenken. Wir füllen die Gleichung also mit einer Bekannten auf. Die verbleibende Unbekannte wird sich durch reines Beobachten von selbst enttarnen.

Sobald man die Situation aufgrund dieser Vorgehensweise korrekt beurteilt hat, kann man die optische Täuschung durch Kenntnis überschreiben und mit der vollen Kontrolle in Ruhe weiterfliegen.









Anekdote (hier sagt man Fliegerlatein):

mir ist das mal im Nachtflug passiert, als der leichte Depron-Elektrosegler vom auffrischenden Wind über den Wald abgetrieben wurde. Ich konnte absolut keine Fluglage erkennen, nur einen leuchtenden Punkt, aber ich wusste zumindest, dass das Modell sehr eigenstabil fliegt. Nur: wohin fliegt es bloß?

Also cool bleiben, und einfach einen konstanten, weiträumigen Kreisflug steuern. Das bedeutet: gaanz wenig Seitenruder, in eine mir bewusste Richtung.
Was ich jetzt sehe, ist, dass der Punkt abwechselnd nach rechts und links wandert. In dem Moment, wo er auf mich zu kommt oder weg fliegt, bleibt er optisch kurz stehen. Da ich die Kreisflugrichtung kenne, weiß ich, ob ich beim Stillstand rechts oder beim Stillstand links auf mich zu komme.

In diesem Moment, bzw. kurz davor, muss ich gegenlenken, so dass der Stillstand des Punktes beibehalten wird. Prima, wir sind also wieder auf Heimflug-Kurs. Aber stimmt das wirklich?

Das bekomme ich heraus, indem ich wieder ganz sanft in eine Richtung lenke. Tue ich das nach links, und der Punkt wandert nach rechts, dann kommt er auf mich zu, und ich muss diese Richtung nur beibehalten und warten bis er endlich bei mir ankommt.

Anderenfalls heißt es: nochmal cool bleiben und eine 180°-Kehre fliegen. Also wieder lenken, schauen bis das optische Pendel einmal ausgeschlagen ist, und dann gerade legen und abwarten.

Das hat damals tatsächlich geklappt, und der Flieger ist noch immer wohlbehalten bei mir.
Puh. Manchmal kommt man mit Logik weiter als mit reinem Reaktionsvermögen.







Herzlichst
Hilmar.
Also allen herzlichen Dank, die sich so ausführlich zum Thema "Richtungsfehlinterpretation" geäußert haben. Bei meinem Segler habe ich bemerkt, dass zu frühzeitiges Abschalten vom Gas ebenso Probleme - speziell in der Kurve -ergeben kann.
Meine Kollegen schreien immer "Gas, Gas, Gas ...rauf mit ihm", und da beginnt schon das Problem, weil ich sein Verhalten mit viele Geschwindigkeit in der Kurve noch nicht richtig einschätzen kann. Und speziell nach dem Hinauswerfen muss man ja Vollgas geben, um ihn auf sichere Höhe zu bringen. Bleibt man einige Zeit auf Vollgas entfernt er sich auch relativ schnell und dann sollte mit dieser relativ hohen Geschwindigkeit eine sichere Kurve geflogen werden. Gehst du mit dem Gas im Anstieg zu früh weg, hast du ein Problem und wenn du zu lange mit Vollgas fliegst, dann wird es auch heikel. Segler "schmieren" ja gerne ab, wenn man zu viel Querruder gibt und dabei noch zu langsam fliegt, das kenne ich zumindest sehr gut vom Simulator, aber auch schon in echt.
Eine wahre Herausforderung ist anfänglich das Werfen und gleichzeitige Steuern. Es ist mir bereits gelungen, aber ich habe immer Bauchweh davor. Naja, dem einen oder anderen dürfte das anfänglich auch passiert sein, dass man die Richtung nicht besonders gut ausmachen kann. Übrigens was mir selbst noch eingefallen ist, was ich machen könnte, um den Segler besser zu sehen. Tragflächen unten mit einer gut reflektieren Farbe anstreichen, bis ich das Handwerk beherrsche und dann neues Modell - in der Hoffnung - dass es mit elegantem Weiß dann auch funktioniert. Danke euch allen!

7

Dienstag, 4. Mai 2021, 21:16

Die Tips, die man dir gegeben hat, sind alle gut. Hier geht´s um 2 Dinge. das erste hat Hilmar schon schön beschrieben.
a)tens (Die Rettung): ruhig bleiben und versuchen systematisch und ohne Umwege die Kontrolle wieder herstellen.
b)tens (Das Handwerk): War auch unter den Tips. Flieg nicht weit weg. Turne in sicherer Höhe (min 2 Abstürze hoch :dumm: ) herum und behalte den Flieger möglichst nah bei dir. Wenn du das tust, kreise nicht nur in eine Richtung, sondern versuche dich mit gewollten Flugfiguren zu steigern. Kreis links, Kreis rechts, Acht links, Acht rechts, mal nen Loop, ne Schraube eingebaut u.s.w..
Wiederhole die Sequenzen, bis sie dir flüssig von der Hand laufen und "schön" aussehen.
Das macht nicht nur Spass sondern schafft Synapsen und Muskelerinnerungen. Diese Dinge helfen dir dann in Zukunft bei a)tens, Hilmars gutem Rat in die Tat umzusetzen :applause:
Hier kommt b) ausnahmsweise mal vor a).
Meistens fliegt man in nur eine Richtung den Kreis, das ist ein sehr guter Tipp auch andersrum zu fliegen. Das steigert die Hirnleistung immens.
Ich möchte den ASW28 von Volantex gemütlich fliegen, doch wie ich gemerkt habe, ist er anscheinend vom Rumpf her zu schwer, um sehr langsam fliegen zu können.

Ich danke euch allen, dass ihr mir geantwortet habt.
Ciao!