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Freitag, 28. September 2018, 10:58

Hochleister Paraglider RASTY 4.0

im Frühjahr 2018 hatte ich die Idee, einen Double-Skin-Paraglider zu entwickeln und zu bauen.
In der Vergangenheit hatten die Double-Skin-Paraglider den Nachteil, dass diese bei Klappern schwierig zu stabilisieren waren.
Aus diesem Grunde entwickelten die RC-Para-Hersteller die Single-Skin, oder später die Hybrid-RC-Paraglider.
Mein Ziel war es, einen Double-Skin-Paraglider zu entwickeln, bei dem Klapper so ausfallen, dass sie sich
selbständig öffnen oder einfach zu korrigieren sind.
Mit der in 14 Eigenbauten gesammelten Erfahrung setzte ich mich an den PC und begann mit der Konstruktion von Nummer 15.

Meine von mir gesetzten Vorgaben:
Spannweite: 4,00 m
Fläche: ca. 2,3 m2
Streckung > 7
Zellen: 39
V-Rippen, dadurch weniger Leinen
Porcher Skytex 27 gr.
Edelrid-Aramid-Leinen 0,4 mm
Liros Technora 0,45 mm für die Stammleinen



Für mich stellte sich die Frage:
Wie kann man einen Double-Skin-Paraglider stabiler und sicherer konstruieren?
Meiner Meinung nach geht das nur über das Profil, den Zellenaufbau und die Segelspannung.
Als erstes wählte ich ein passendes Profil und das Shape von unserem GIN Fly aus. Dieses gefällt mir und anderen sehr gut.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil eines RC-Paragliders ist die Leinengeometrie. Wegen des Widerstandes sollten es so wenige Leinen wir möglich sein, aber gleichzeitig ausreichend viele, um eine gute Kappenspannung zu erzielen. Erfahrungsgemäß sind bei einem 4 m Paraglider mit Streckung > 7 V-Rippen unumgänglich.



Um eine noch bessere Zellenstabilität zu bekommen, partitionierte ich die Zellen in einen vorderen und hinteren Zellenbereich.
Da es damit noch keine Erfahrungen gab, wurde diese Einteilung an einer Modellzelle aus Holz ausprobiert..
Stück für Stück konstruierte ich so meinen Paraglider mit dem Namen RASTY.

Zwischendurch setzte ich mich mit Andreas „Elchdive“ und Alex in Verbindung und holte mir
ihre Meinung dazu ein.

Andreas hat sich bereit erklärt, die Näharbeiten zu übernehmen. Es stand von Anfang an fest,
dass die Näharbeiten sehr kompliziert und umfangreich sind.
Alex stand mir hilfreich zu Seite bei der Fertigung meiner Holzmodellzelle.



Der Test mit einem Heißluftföhn am Modell war erfolgreich, dem Bau des RASTY stand nichts mehr im Wege.



Der übliche Fertigungsprozess wurde gestartet:
Die Schablonen aus Surfplan wurden auf DIN A 0 formatiert und ausgedruckt. Danach ging es ans Ausschneiden der Schablonen. Für die Rippen wählte ich das etwas dickere Porcher-Skytex-Tuch 40 gr.



Für alle anderen Bauteile das Porcher-Skytex-Tuch 27 gr. Das Segeltuch wird auf die ausgeschnittenen Schablonen gelegt, mit vielen Magneten auf der Stahlpatte fixiert und mit dem Lötkolben ausgeschnitten. Anschließend wird die Nählinie auf das Tuch aufgezeichnet, eine Arbeit, die mir am wenigsten Freude bereitet.
Bis alle Einzelteile ausgeschnitten und die Linien aufgezeichnet sind vergehen einige Stunden.



Von Profis wird dieser Prozess mit einem Laserplotter in einem Arbeitsschritt erledigt und ist um ein Vielfaches einfacher.
Falls wir in der Zukunft eventuell auch auf einen Laserplotter zurückgreifen können, wäre das eine wertvolle Zeitersparnis.
Momentan benötigen wir für die Fertigung eines 4 m Double-Skin-RC-Paragliders ca. 100 Stunden, ähnlich wie die Profis.
Die Stunden für die Konstruktion sind hierbei noch nicht eingerechnet.



Nachdem ich alles ausgeschnitten hatte machte ich mich an die Leinen – eine flott von der Hand gehende meditative Arbeit, nachdem ich mittlerweile schon über 3000 Leinen gespleißt habe.
Als Leinenmaterial verwende ich die Edelrid-Aramid-Leinen 0,40 mm in rot; für mich die beste Leine auf dem Paraglidersektor.
Vielen Dank an den Beschaffer!
Die Stammleinen bestehen aus Liros-Technora-Leine in blau und für die Stabiloleinen wählte ich die Liros-Technora-Leine in grün. Beim RASTY kommen die Beschleuniger -Tragegurte von Melchior L. (ehem. RC Paraworld) zum Einsatz.



Beim Jahres-Event in Heidelberg überreichte ich Andreas das Paket mit allen ausgeschnittenen Einzelteilen.
Wird jede Leine gerechnet, besteht der RASTY aus ca. 700 Einzelteilen.
Für diese Arbeit brauchte ich einen Profi mit sehr viel Erfahrung an der Nähmaschine!
Andreas Aufgabe war es, diese hunderte Einzelteile perfekt zusammenzufügen und zu vernähen.
Er besitzt diese Erfahrung durch die Fertigung von fast 50 RC-Paraglidern. Für mich ist es immer wieder faszinierend,
mit welcher Perfektion Andreas diese Arbeit bewältigt. Hier ist er ein richtiger Profi und steht denen in nichts nach.
Tausend Dank an dich Andreas, dass du mich immer wieder unterstützt und ich dadurch meine Träume in die
Realität umsetzen kann.



Andreas hielt mich über den Baufortschritt auf dem Laufenden. Erstmal sah es so aus, als würde der RASTY für Damüls II 2018 fertig werden. Da kein Zeitdruck vorhanden war, signalisierte ich Andreas, dass er sich für diese komplizierte Aufgabe ruhig Zeit lassen könne.



Am Sonntagabend - zwei Wochen nach Damüls - kam die Mitteilung, dass der RASTY fertig gestellt sei.
Montag, gleich nach der Arbeit, setzte ich mich in den ICE und fuhr nach Basel.
Nach der Übergabe stieg die Spannung ins Unermessliche.

Wie ich gleich feststellen konnte, hatte Andreas wieder einmal einen super Job gemacht:
Alle von mir gefertigten Teil waren millimetergenau zusammen genäht.

Auf der Heimfahrt gingen mir so einige Fragen durch den Kopf:
- Ist die Idee erfolgreich?
- Trifft alles so zu wie ich es mir vorgestellt habe?
- Wie startet der RASTY?
- Wie ist das Lenkverhalten?
- Wie stabil ist die Kappe?
- Wie ist das Klappverhalten?
Flying in the Para-dise
Have a nice flight
Herry

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Freitag, 28. September 2018, 11:00

Hochleister Paraglider RASTY 4.0

Zu Hause angekommen, erhielt der RASTY seinen Namen.



Danach begann das Einleinen, Eine Leinen-Ebene nach der anderen, Leine für Leine wird mit einer Nadel eingeschlauft.
Dauer ca. 4 bis 5 Stunden.



Der Wind am nächsten Tag war sehr böig und bis 40 km/h stark, für einen Erstflug definitiv zu viel.
Ich musste mich in Geduld üben, aber für ein Groundhandling und zur Überprüfung der Schirmkappe war dieser Wind perfekt.

Kaum war der RASTY ausgelegt, lag der Paraglider prall gefüllt startklar auf dem Boden. Die Schirmkappe musste ich über meinen Piloten Alex, im Maßstab 1:3, anbremsen, da diese ständig aufsteigen wollte. Das war schon einmal ein gutes Zeichen. Dann kam der Augenblick des ersten Aufziehens. Minimaler Impuls und schon stand der RASTY im Zenit. Der Kontrollblick zeigte, dass alle Leinenaufhängungen, die Zellen und die Form der Kappe super perfekt waren. Besser geht es nicht.



Sogar die Bremsleinen waren von Anfang an top eingestellt.
Das ist mir bei allen anderen 14 Eigenbauten noch nie gelungen. Ein Paraglider, der direkt von der Nähmaschine kommt, in der Luft sofort geniale Flugeigenschaften hat. Das gab es noch nie!
Bei einigen Modellen, gerade am Anfang, musste ich 4 bis 6 Wochen trimmen, testen, trimmen testen, bis ich endlich mit dem Ergebnis zufrieden war. Nach nur 20 Minuten groundhandling packte ich wieder glücklich und zufrieden ein. Der RASTY ist sehr gut gelungen und überzeugt voll!

Am nächsten Tag bei 5 bis 15 km/h Wind konnten von mir gleich beim Erstflug Nullwind-Starts getestet werden. Ungeduldig ging ich in der Mittagspause auf die nächste Wiese und packte meinen RASTY aus.
Der Pilot Alex wurde startklar gemacht, der Schirm ausgelegt und zum Wind ausgerichtet.
Endlich konnte es losgehen – Geduld ist so gar nicht meine Stärke.



Es ist immer wieder ein ganz besonderes Gefühl, wenn ein Modell zum Erstflug startet.
Puls, Adrenalin und Spannung steigt …
Ich zog den Schirm bei 3 km/h Wind auf und der RASTY startete total easy, und das mit Double-Skin mit einer Streckung > 7.
Die Handhabung war einfach wie bei einem Single Skin.



Nach dem Start flog ich ein bisschen Höhe und leitete problemlos die erste Kurve nach links ein, ebenso darauf folgend ohne Probleme nach rechts. Die Steuerleinen stimmen perfekt. Danach teste ich die Geschwindigkeit: im Grundtrimm war ich zufrieden.
Nun beschleunigte ich erst mal 3 cm und der RASTY nahm sichtbar Fahrt auf. Mir kam vor, als ob er noch stabiler wurde.
Nun ein bisschen Achter geflogen, Vollkreise und auf Höhe gegangen.



Wie würde er auf die Steilspirale reagieren? Die Einleitung bereitete keine Probleme und auch in der Spirale verhielt er sich, als wäre es das Einfachste der Welt. Die Ausleitung erfolgte ohne großes Pendeln.



Bei der Landung konnte ich ihn schön ausflaren und mein großer Pilot Alex setzte sehr sanft auf.



Das war also der Erstflug mit meinem neuen „Baby“!
Meine Finger zitterten immer noch, als ich happy zurück ins Büro fuhr.

Bereits beim Erstflug hat sich gezeigt, dass die Idee mit der Partitionierung der Zellen super funktioniert.
Weitere Flüge werden zeigen, wie er sich in turbulenter Luft verhält oder im Vergleichsflug zum CrossAlps,
der für mich momentan das Maß der Dinge ist.

Es gibt nichts Schöneres, als eine Idee umzusetzen und diese bis ins letzte Detail verwirklichen zu können. Das Fertigen eines wunderschön fliegenden Paragliders, gefertigt aus einem einfachen Stück Stoff Nylon, das war immer mein Traum.

Diesen Traum konnte ich wieder einmal verwirklichen.

Das ist Modellbau der süchtig macht und den ich sehr liebe.
Jede einzelne Stunde, die wir hier investiert haben, hat sich gelohnt.
Allen Beteiligten vielen herzlichen Dank für die Mithilfe und Unterstützung.
Flying in the Para-dise
Have a nice flight
Herry

3

Montag, 1. Oktober 2018, 15:29

Hallo,

hier ein kleiner Videoclip vom Erstflug mit meinem RASTY.
Das Teil macht mir richtig Spaß. :)



https://www.youtube.com/watch?v=YLpmS7_FlyE
Flying in the Para-dise
Have a nice flight
Herry

fmandel

RCLine Neu User

Wohnort: Karlsbad

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4

Montag, 1. Oktober 2018, 18:34

Hallo Herry, schöner kann ein Erstflug kaum sein. Glückwunsch zu Deinem neuen "Baby" und herzliche Grüße, Friedrich
Goblin 500 und 380, T-Rex 150, nano-QX, Weasel-Trek, Vitesse V1, e-flite Timber

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Dienstag, 2. Oktober 2018, 11:10

Erstflug Paraglider RASTY 4.0

Hallo Friedrich,

vielen Dank!
Manchmal braucht man als Modellbauer auch ein bisschen Glück.
Dieses stand mir beim RASTY zur Seite.
Es ist natürlich ein Traum, wenn alles von Anfang an perfekt funktioniert.

Liebe Grüße zurück
Herry
Flying in the Para-dise
Have a nice flight
Herry

6

Donnerstag, 4. Oktober 2018, 19:46

Paraglider RASTY in den Weinbergen

Hallo,

hier ein kleiner Videoclip von einem Flug in den Weinbergen.
Viel Spaß beim Anschauen.



https://www.youtube.com/watch?v=HEEueBN5pcY
Flying in the Para-dise
Have a nice flight
Herry

7

Mittwoch, 7. November 2018, 19:24

Hey,

diesen wunderschönen Herbsttag mit frühlingshaften Temperaturen nutzte ich zu Erstflügen
mit meinen neuen Piloten.

Den ITALY Paraglider mit dem Piloten Peer und dem EVO Gurtzeug und den
RASTY mit dem neuen Eigenbau Piloten ANDY.

Beide Piloten passen perfekt zu den Hochleistungsparaglidern.
Den RASTY flog ich mit dem Eigenbau Piloten ANDY mit 2,7 kg. Mit diesem Gewicht fliegt der RASTY "MEGA".
Besser geht es kaum. Bin total happy. In dieser Konfiguration und Motorisierung kann ich zwischen einem
Startgewicht von 2,6 kg bis 4,5 kg auswählen, perfekt!

Bin gespannt was die Profis sagen, wenn sie diesen Schirm das erste mal fliegen sehen,
oder vielleicht selbst fliegen.







Den ITALY bin ich mit dem Piloten Peer mit 2,9 kg geflogen.
Zusammen mit dem Gurtzeug EVO und diesem Antrieb kann ich mit einem Startgewicht
zwischen 1,9 bis ca. 3,3 kg fliegen.

Flying in the Para-dise
Have a nice flight
Herry

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