Eisflieger

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1

Dienstag, 31. Dezember 2002, 16:20

Einharzen - was bedeutet das genau?


Hallo,

ok vielleicht eine ungeschickte Frage, lacht Euch nur aus, aber sagt mir dann bitte die richtige Antwort.

Was bedeutet ein "Teil einharzen"? Klar, damit macht man etwas fest, aber mit was für Material genau? Und warum nimmt man nicht einfach einen guten Kleber?

Danke für Eure Hilfe.

Frank

kater68

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2

Dienstag, 31. Dezember 2002, 17:21

Re: Einharzen - was bedeutet das genau?


Hallo Frank,

Dumme Fragen gibt es nicht!! --Nur dumme Antworten!!

Unter Einharzen versteht man das "Einkleben", wie Du schon richtig vermutest, von Bauteilen.
Zum Beispiel von Spanten oder Rippen in Rümpfe (vorzugsweise GFK) oder von Ruderhörnern in Ruder etc.
Einharzen deshalb, weil man 2-Komponenten-System-Kleber benutzt, vornehmlich auf Epoxyd- oder Polyesterbasis.
Hauptsächlich auf Epoxydharzbasis. Man spricht von 5-Minuten-Epoxy (ausgehärtet in ca. 20 Minuten) oder Harzsystemen, die ca. 24 Stunden zum Aushärten benötigen. Viele Kleber arbeiten auf derselben oder
ähnlichen Basis, wie z.B: Uhu 300 Endfest und ähnliche.

Nur sind diese Kleber sehr viel teurer und lassen sich auch nicht so gut mit Micro-Ballons (kleine staubähnliche Glaskugeln) oder anderen Füllstoffen eindicken.

Werden diese Harzsysteme zusammen mit Glasgewebe (oder Kohlegewebe) verarbeitet, entstehen Produkt aus GlasFaserKunststoff (GFK) oder CFK. Wobei das C für Kohle steht.

Ich würde nur mit Epoxidharzen arbeiten, da die Festigkeit höher liegt, fast alle Materialienb geklebt werden können (außer einigen thermoplastischen Kunststoffen) und zu weniger Geruchsbelästigung führt.
Außerdem wird Styropor nicht angegriffen.
Polyesterharze werden hauptsächlich im Automobilbau benutzt und sind daher in jedem Baumarkt zu erstehen, lösen allerdings Styropor auf. Ich rate davon ab.

Diese Epoxid-Harze kannst Du in guten Modellbaugeschäften kaufen oder bei diversen Modellbauversandgeschäften schicken lassen (dann meistens billiger). Guck mal in Modellbauzeitungen nach.

Als Produktname kann ich R&G empfehlen. Ein bekannter Hersteller solcher Produkte.

Ich hoffe, Dir damit weitergehofen haben....

Guten Rutsch ins neue Jahr!!



TO BE CONTINUED!!

Manfred
TO BE CONTINUED!!

Manfred

Rainer_Walda

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3

Mittwoch, 1. Januar 2003, 15:54

Re: Einharzen - was bedeutet das genau?


Hallo Frank!

Ergänzend zu den Ausführungen von Manfred möchte ich Dir noch ein paar Hinweise zum "Einharzen mit Epoxyd Laminierharzen" geben.

Grundsätzlich muß man dem abgerührten Laminierharz (Konsistenz wie eher dünnflüssiger Honig) etwas beimengen damit die Sosse beim Kleben nicht davon rinnt.

Zum Verkleben (~ einharzen) verwendet man Mittel die grundsätzlich das Harz verdicken und daneben möglichst eine verfestigende Stuktur bilden. Diese Effekte erreicht man in der Praxis am besten mit Bauwollflocken
(bei den bekannten Modellbauvertriebstellen bzw. Händlern erhältlich) oder in dem man Glasfaser- oder Kohlefaserschnipsel in das Harz hinein rührt. Eine reine Verdickung des Harzes erreichst Du auch mit
Aerosil-Pulver (sollte auch im Farbenhandel erhältlich sein). Ev. Faserschnipsel mit Aerosil kombinieren.
Diese erwähnten Mittel erhöhen das Volumen des Harzes nicht und die ausgehärtete Klebemasse wird steinhart und ist kaum mehr schleifbar (wozu auch...).

Daneben kann man dem abgerührten Harz auch füllende Mittel beimengen wie die angesprochenen Glaskügelchen (~ Microballon). Durch die füllende Wirkung ist das ausgehärtete Endprodukt eher leicht und recht
gut schleifbar und eignet sich somit sehr gut als Spachelmasse; sollte daher aber eher nicht für Verklebungen eingesetzt werden.

Grundsätzlich rate ich im Modellbau von der Verwendung von Polyesterharzen ab. Die Verarbeitungszeiten sind eher sehr kurz, das ausgehärtete Ergebnis nach meinem Wissen relativ spröde und die Verträglichkeit
mit anderen im Modellbau verwendeten Kunststoffen ist nicht gerade berühmt.
Durch die lange Aushärtezeit von Epoxy-Laminierharzen dringt das Harz auch etwas in die Holzoberfläche ein und begünstigt so auch die Qualität der fertigen Klebestelle.

Ich hoffe daß ich Dir ein paar Hinweise geben konnte und wünsche Dir viel Erfolg im neuen Jahr!

Grüße aus Graz[wave],
Rainer

PS: Auch wenn Epoyd-Harz weniger stinkt als Polyester-Harz so ist die Verwendung unserer Gesundheit nicht zuträglich (Kontakt-Allergien und was weiss ich sonst noch...).
Daher unbedingt Handschuhe (Latex-Handschuhe) tragen und den Raum möglichst gut belüften!!Letzte Änderung: Rainer Walda - 01.01.03 15:54:18

Eisflieger

RCLine User

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Wohnort: D-796xx (... aus dem tiefsten Schwarzwald)

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4

Mittwoch, 1. Januar 2003, 16:29

Re: Einharzen - was bedeutet das genau?


Hey Jungs - vielen Dank für die super Antworten!

Gruss und ein gutes Neues Jahr
Frank

Kong_Harald

RCLine User

Wohnort: Nahe Stuttgart

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5

Donnerstag, 2. Januar 2003, 16:11

Re: Einharzen - was bedeutet das genau?


Tag zusammen!
Kann ich zum Verdicken des Epoxidharzes auch Watte nehmen, statt den Baumwollflocken.
Watte besteht ja auch zu meist 100% aus Baumwolle.

Gruß OLI
es sollte unter strafe verboten sein springbäume zu pflanzen :O

Rainer_Walda

RCLine User

Wohnort: A-8010 Graz

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6

Donnerstag, 2. Januar 2003, 22:39

Re: Einharzen - was bedeutet das genau?


Hi Olli!
Also, ich weiß nicht ob das schon jemals probiert wurde.
Aber bevor du hier auf Antworten wartest würde ich Dir empfehlen daß Du selbst eine Probeklebung durchführst und dann hier im Forum über die Verarbeitungsmöglichkeiten (sind wahrscheinlich besonders interessant)
und das fertige Klebeergebnis (das nach meiner Vorstellung wahrscheinlich gar nicht so schlecht hält...) berichtest.

... bin schon gespannt wie das mit dem Schnipseln und Einrühren ins Harz geht damit eine homogene Masse (~ Pampe) entsteht.

Entschuldige und nicht für Ungut, aber ich zweifle etwas an der problemlosen Verarbeitbarkeit von Watte.

Grüße aus Graz[wave],
Rainer

M._Kohler

RCLine User

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7

Donnerstag, 2. Januar 2003, 23:49

Re: Einharzen - was bedeutet das genau?


Andere Idee statt Watte:
Sägespäne/-mehl verwenden? Ginge das?
Mit freundlichen Grüssen
Martin Kohler

8

Sonntag, 29. Juli 2018, 01:16

Hallo Zusammen.

Gleichmal Vorneweg. Ich bitte um Entschuldigung durch die Leichenschändung. Aber lieber eine alte Leiche ausgraben, als noch ein Extra Thema zu eröffnen, wobei es nur ums Gleiche Thema handelt.

Ich weiss, dass dieses Thema seit 15 Jahren brach liegt. Nichts desto trotz würde es mich sehr interessieren ob in der Zwischenzeit irgend Jemand, ausser meiner Selbst, sonst noch Jemand anderes Erfahrungen mit Epoxidharz und normaler Watte gemacht hatte.

Mich Interessiert es in folgendem, da ich immer an Materialien am Experimentieren bin, die nahezu Unzerstörbar sind, zumindest durch Schläge. Aber alleine durch die Verwendung von Epoxidarz und maximal eines Zusatzstoffes.

Sägemehl und Sägespäne sind meiner Erfahrung nach zu kurzfasrige Materalien um wirklich geeignete Bruchsichere Stücke herzustellen.
Mit der Watte, als auch allen Langfasrigen Materalien bin ich soweit sehr zufrieden. Hat sonst noch Jemanden Erfahrungen gemacht?

Gruss Rainer

9

Sonntag, 29. Juli 2018, 02:35

Nicht "zerstoerbar" in allen Richtungen?

Dann bleib bei Watte. Wuesste jetzt nicht was so diffus ist. ausser Kohlefasern in diversen Lagen in mehreren Richtungen.
Gruss
Thomas
🖖

Vielleicht ist Wissen doch nicht die Antwort auf alles

10

Sonntag, 29. Juli 2018, 10:22

Verwendet Ihr im Flugzeugmodellbau nicht auch langfasrige Glasfasermatten die sehr diffus ist? Schätze dadurch kann man sicher sehr stabile und bruchsichere Teile herstellen. Ohne gleich auf die teuren Kohlefasern ausweichen zu müssen. :)

11

Sonntag, 29. Juli 2018, 13:19

Bei den Flugmodellen werden eher duenne Lagen verwendet. Alleine schon aus Gewichtsgruenden.

Was genau willst du denn machen?
Gruss
Thomas
🖖

Vielleicht ist Wissen doch nicht die Antwort auf alles

12

Sonntag, 29. Juli 2018, 18:05

Achso. Aber die müssen ja auch einiges Aushalten können beim Fliegen.
Ich bin grad neue Griffstücke am entwickeln für neue Sportbögen.
Da bin ich durch Googlesuche auf diesen Thread gestossen.

13

Montag, 30. Juli 2018, 19:28

ist ja ein etwas anderer Einsatzbereich. Nichtsdestotrotz:
Die Festigkeit kommt nicht vom Harz, sondern von den Fasern. Sauber gewobene / gelegte / gestrickte (wegen mir auch gehäkelte) Fasern im Harzverbund geben da deutlich mehr her, als in Harz eingestreutes Fasermaterial.

14

Montag, 30. Juli 2018, 19:33

Kleiner Einspruch. Stabilisiertes Holz hat aehnliche Qualitaeten. Nur das in den fuer die Bogen benoetigten Groessen zu kriegen wird schwierig. Wird halt eher fuer Messsergriffe verwendet.
Gruss
Thomas
🖖

Vielleicht ist Wissen doch nicht die Antwort auf alles

haschenk

RCLine User

Beruf: Dipl. Ing.

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15

Montag, 30. Juli 2018, 22:48

Hallo,

der "Klassiker" unter den Füllstoffen für Harze ist immer noch *Microballons*.
Google mal unter diesem Begriff.

Gruß,
Helmut

16

Dienstag, 31. Juli 2018, 07:18

Ich stelle selber stabilisiertes Holz für den Bogenbau her.

Von den Microballons habe ich schonmal gelesen. Aber hat da wer Erfahrungen gemacht ob diese auch wirklich was zur Festigkeit beibringen oder eben nur als Füllstoff agieren?

haschenk

RCLine User

Beruf: Dipl. Ing.

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17

Dienstag, 31. Juli 2018, 10:16

Hallo,

ich verstehe deine Aufgabe/dein Problem nicht...

Kannst du mal ein Bild reinstellen von so so einem Bogen + Griff, damit man sich was darunter vorstellen kann ?
Warum kommt es da bei einem Griff so sehr auf die Festigkeit an, inbesondere auf isotrope Festigkeit ? Isotrope Eigenschaften (z.B. Festigkeit) = in allen Richtungen gleich ist der Fachbegriff, der dir auch bei der Websuche helfen sollte.

Um welche Festigkeit geht's bei dir- Druck- oder Zugfestigkeit, Schlagzähigkeit/Festigkeit ?

Mikroballons werden im Flugzeugbau eingesetzt, um z.B. kleine Unvollkommenheiten in Oberflächen auszugleichen (gut schleifbar), weil eine gute Haftung zwischen den "Ballons" und dem Harz gegeben ist, weil es den gleichen TK hat wie die Umgebung (mal Glas/Harz angenommen) und weil es leicht ist.

Festigkeitswerte weiß ich auch nicht, die sind in diesem Anwendungsbereich nicht relevant, da man dort, wo es um die Aufnahme von Kräften und Momenten geht, gezielt definierte Faserstrukturen einsetzt.


Gruß,
Helmut

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »haschenk« (31. Juli 2018, 10:23)


18

Dienstag, 31. Juli 2018, 12:22

Microballon ist gut als leichter Füllstoff. Eine damit hergestellte Muffe (Spanten oder zum Einharzen vom Steckungsstahl im Rumpf) bricht aber. Da sind Baumwollflocken oder Glasfaserschnipsel die bessere Wahl.

Beim mehrteiligen Recurve-Bogen kommen natürlich auf das Mittelteil in der Tat gewaltige Anforderungen.
Den würde ich nicht als Monolithen aus Microballons gießen.

Bei der hier noch dran gehängten schwarzen Griffschale hätt ich jetzt eh was griffigeres als Epoxy genommen.