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haschenk

RCLine User

  • »haschenk« ist der Autor dieses Themas

Beruf: Dipl. Ing.

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1

Samstag, 8. Dezember 2018, 21:34

Turbulenz und Meeresleuchten

Hallo,

bei "Spiegel Online" gibt's gerade ein interessantes Video zu dem Thema "Leuchtende Delfine":
http://www.spiegel.de/video/delfine-sche…o-99023395.html

Wer schon nachts in warmen Gewässern (Tropen..., hier schon im Mittelmeer) unterwegs war, kennt das- bewegtes Wasser scheint zu leuchten.
Ab einer gewissen "Bewegungsstärke" (Turbulenz) des Wassers emittieren darin lebende Kleinstlebewesen (Plankton) Licht.

Was das mit Modellflug bzw. Aerodynamik zu tun hat ?
Wen man im Video genau hinschaut, dann sieht man, daß die Delfine im vorderen Bereich (etwa 1/4 ihrer Länge) gar nicht oder nur sporadisch leuchten. Das ist der Bereich, in dem die Umströmung konvergent (mit Druckabfall) und deshalb die Grenzschicht laminar ist. Am Ende dieses Bereichs liegt der sog. Umschlagpunkt, ab dem die Grenzschicht turbulent wird. Und jetzt wird das Plankton genügend stimuliert zum Leuchten. Je weiter hinten, desto stärker wird die Turbulenz und damit das Leuchten. Im Bereich der Schwanzflosse geht dann ein "Feuerwerk" ab...

Genauso sieht die Strömung um "aerodynamisch gut geformte" Rümpfe oder Profil-Oberseiten aus. Und Turbulenz bedeutet idR Widerstand; Ausnahme dabei ist, wenn die Turbulenz eine ansonsten auftretende laminare Ablösung verhindert.

Schönes Beispiel für laminare und turbulente Grenzschichten (incl. "Umschlag"), finde ich.


Gruß,
Helmut

2

Samstag, 8. Dezember 2018, 23:07

:ok:
Helmut, Klasse.
Ich hab leider noch nie die Gelegenheit gehabt das live zu sehen.
Gruss
Thomas
🖖

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3

Samstag, 8. Dezember 2018, 23:17

Hallo Helmut,
danke für diesen aufschlussreichen Beitrag.

Eine wohltuend sinnvolle Alternative zu den alltäglichen "Moin Jungs"- oder ich geb´`ne Runde- Beiträgen.

Mit freundlichen Grüßen
Wolfgang

4

Samstag, 8. Dezember 2018, 23:30

Nach mehrmaligem Schauen bin ich nur nicht mehr sicher ob die Delfine wirklich "auf der Bugwelle surfen" und ob denen das Spass macht.
Nach meinen Kenntnissen fliehen Delfine gerade aus und weichen nicht zur Seite aus.

Das Video zeigt Klasse Szenen. Aber ob das fuer unsere Freunde im Wasser so gut war?
Gruss
Thomas
🖖

Vielleicht ist Wissen doch nicht die Antwort auf alles


haschenk

RCLine User

  • »haschenk« ist der Autor dieses Themas

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5

Sonntag, 9. Dezember 2018, 03:51

Hallo Thomas,

ich bin mir (fast) 100% sicher, daß die Delfine das aus "Spaß an der Freud" machen.

Ich habe viele Jahre lang zusammen mit meiner Frau Hobby-Tauchurlaub in Fernost gemacht und dabei "Delfinbegleitung" beim Rausfahren zum Tauchen öfters erlebt. Die Delfine sind sehr schnell und wendig, und überholen übliche Taucherboote locker; bei größeren Booten/Schiffen kommt's wohl auf den Einzelfall an. Das Geräusch der Boote lockt die Delfine an, und die schwimmen dann seitlich und/oder vor dem Boot mit; sie wechseln (vor oder unter dem Boot) die Seite, machen Kunststücke (z.B. Sprünge aus dem Wasser ohne/mit "Rolle") o.ä. Sieht manchmal gefährlich aus, aber die haben das "im Griff". Sobald das Boot zum Stehen kommt, ist es nicht mehr interessant für sie, und sie ziehen weiter.

Direkt im Riff (wo man meistens die Tauchgänge macht) kommen Delfine kaum vor, weil sie eher "Freiwassertiere" sind). Dafür gibt's da u.a. die *Riffhaie*(verschiedene Arten, etwa bis 2m lang); die sind aber friedlich und eher neugierig- solange man ihnen mit dem nötigen Respekt begegnet (wie eigentlich immer bei Tieren). Oft liegen diese "auf Grund" und schlafen. Wenn dann eine Tauchergruppe kommt, wachen sie auf und drehen eine Runde, wenn die Taucher weg sind, legen sie sich wieder hin...

Das erste Meeresleuchten habe ich bei meinem allerersten Tauchurlaub gesehen; ist lange, lange her. Wir waren bei der Anreise etwas verspätet und mussten nach Einbruch der Dunkelheit noch ein paar 100 Meter vom Festland zu einer kleinen Insel (mit dem Resort) übersetzen. Mit einen kleinen Böötchen mit Außenborder, und da war es...

Ansonsten kann man Meeresleuchten beim Tauchen sehr selten sehen, weil Tauchen halt idR bei Tag stattfindet. Manchmal kann man es aber sehen, z.B. vom Strand aus bei Wellengang, oder bei der Anfahrt zu einem Nachttauchgang.

Noch (etwas OT) ein wenig Werbung für meine Heimatstadt:
Google mal nach "yadegar asisi great barrier reef", bzw. nur "Yadegar Asisi".
Y. Asisi ist der Künstler, der in verschiedenen Städten in ehemaligen Gasometern 360°-Panoramabilder geschaffen/installiert hat. So auch in PF, wo ein Gasometer wie durch ein Wunder den vernichtenden Bombenanriff im Februar 1945 überlebt hat. Nach dem Krieg zunächst weiterverwendet, dann aber stillgelegt und jahrzehntelang vor sich hin gerostet. Vor etwa 4 Jahren hat ihn ein "gutbetuchter" Pforzheimer Unternehmer und Sponsor erworben und renovieren lassen, und darin zusammen mit Asisi auch ein "Panometer" installiert.

Nach rd. 4 Jahren und 600.000 Besuchern ist jetzt das seitherige Panorama "Rom 312" gegen "Great Barrier Reef" ausgewechselt worden. Ich war noch nicht drin (da nur seit ein paar Tagen für die Öffentlichkeit zugänglich), aber was ich bislang an Berichten gehört und an Bildern gesehen habe, ist toll und steht einem wirklichen Tauchgang nicht nach; man kann auch in einer kleinen Ausstellung etwas über das "Leben unter Wasser" erfahren.

Links dazu:
https://www.asisi.de/blog/artikel/news/g…ction%5D=detail
https://www.asisi.de/panorama/great-barrier-reef/

Wer mal in unsere Gegend kommt, für den ist ein Abstecher zu einem "Tauchgang" im Panometer Pforzheim sicher lohnend. Der liegt am Stadtrand, nur ein paar Kilometer von der A8-Ausfahrt Pforzheim Ost entfernt.

Gruß,
Helmut

6

Sonntag, 9. Dezember 2018, 09:04

Wird das jetzt quasi auf die Innenwand projeziert oder ist das ein riesiges Poster?
Minicopter Diabolo 800 Black Edition
Henseleit TDR II
/ TDF
SAB Goblin 700 Black Thunder
Align T-Rex 800E Pro
Jeti DS16 Carbon Edition

Elprog Pulsar 3+

7

Sonntag, 9. Dezember 2018, 10:45

Danke Helmut, für diesen schönen Beitrag.

Heinz

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »hastf1b« (9. Dezember 2018, 11:15)


Klaus(i)

RCLine Team

Wohnort: Achim b. Bremen

Beruf: Mensch

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8

Sonntag, 9. Dezember 2018, 12:49

Wenn sich diese Tiere (Plankton) so hervorragend zur Visualisierung von Strömungsverhältnissen eigen, wieso werden sie dann nicht in Forschung und Industrie eingesetzt, z.B. als Ersatz von Bindfäden oder ähnlichen, suboptimalen Hilfsmitteln.

Naja, ist bestimmt schon in Arbeit.

Gruß, Klaus

gunnar2

RCLine User

Wohnort: Leipzig

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9

Sonntag, 9. Dezember 2018, 23:20

Wird das jetzt quasi auf die Innenwand projeziert oder ist das ein riesiges Poster?

Ist eine riesige 360° Leinwand auf der die Bilder aufgedruckt werden, teilweise mit Lichteffekten und Sound, je nach Show.
Hier in Leipzig wurden schon einige Installationen gezeigt, äußerst beeindruckend!
Da sollte man auf jeden Fall einen Feldstecher, Fernglas oder Opernglas mitnehmen. Dort gibt es so viele Details zu entdecken, da ist der Asisi ein absoluter Perfektionist.
Wer dort unter einer Stunde durch ist hat praktisch nix gesehen oder sich nicht dafür interessiert(und das wäre Verschwendung bei den Eintrittspreisen).
Bei "Amazonien" z.Bsp. wurde (im Verlauf von , glaube, 20 min.) ein ganzer Tag gezeigt, mit seinen verschiedenen Lichtern, Stimmungen und Geräuschen. Faszinierend!
Ebenso bei der Völkerschlacht.

https://www.panometer.de/leipzig/unsere-ausstellungen/
@ Wolfgang, wenn Du mal in der Propellerbar bist, gebe ich Dir gerne einen aus ;) :prost:
viele Grüße
Gunnar





Erwarte immer das Schlimmste, aber hoffe das Beste

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »gunnar2« (9. Dezember 2018, 23:33) aus folgendem Grund: falsche Annahme


10

Sonntag, 9. Dezember 2018, 23:44

:ok:
Gruss
Thomas
🖖

Vielleicht ist Wissen doch nicht die Antwort auf alles


haschenk

RCLine User

  • »haschenk« ist der Autor dieses Themas

Beruf: Dipl. Ing.

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11

Montag, 10. Dezember 2018, 17:50

Hallo,

@officejet
was Gunnar oben sagt, kann ich nur bestätigen. Bei “Rom 312“ sind die Bilder auf Leinwand handgemalt; ob da dann das Original aufgehängt wird oder eine Kopie, weiß ich nicht. Die Bilder sind derart detailliert, daß sie ein Einzelner garnicht in vernünftiger Zeit malen kann; das machen die “Schüler“ von Asisi, und der “Meister“ macht vor allem die Vorgaben, korrigiert, ergänzt… wie Leonardo da Vinci zu seiner Zeit auch.

Dazu kommen noch optische und akustische Effekte, z.B. Tag und Nacht, simulierter Sonnenauf- und untergang, Spotbeleuchtung, Vogelgezwitscher am Morgen, usw. Ein Fernglas ist trotz der nur wenigen Meter Betrachtungsabstand hilfreich, um Details zu entdecken.

Es sind auch ein paar “Gags“ eingefügt, die ein “Normal-Besucher“ kaum entdeckt: Z.B. hat einer der Römer ein Handy in der Hand, oder an einer andern Stelle steht eine Cola-Flasche (ähnlich wie bei manchen Computerprogrammen, wo sich die Programmierer an “geheimen Stellen“ verewigen.)

Ich hatte 2017 im Rahmen eines Klassentreffens eine Gruppenführung gebucht; außer dem Panorama gehörte dazu (zuvor) noch ein kurzer Vortrag zu Technik und Geschichte des Pforzheimer Gasometers, sowie ein wenig Geschichte (mit Bildern) zum Jahr 312: was damals passiert ist, Kaiser Konstantin I., die “Schlacht an der milvischen Brücke“ mit dem Sieg Konstantins, dem in der Nacht vorher Christus erschienen sein soll und ihm mit dem “XP“-Zeichen verkündet hat “Unter diesem Zeichen sollst du siegen“. Sein Sieg hatte das Ende der Christenverfolgungen und den Aufstieg des Christentums zur Folge.

Unsere Führerin hat sich natürlich einen Spaß daraus gemacht, uns die Gags suchen zu lassen (und schließlich zu zeigen). Der ganze Besuch hat etwa 1,5 Stunden gedauert.
Noch etwas Geschichtswissen dazu:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_a…hen_Br%C3%BCcke
https://de.wikipedia.org/wiki/Christusmonogramm


@Klaus
Deine Frage ist naheliegend….
Aber es ist einfach so, daß es für Strömungsmessung bzw. Visualisierung bessere und “Kanal-schonendere“ Methoden gibt; egal ob es um Wind- oder Wasserkanäle gibt, z.B. kann man mit dem “Hitzdraht-Verfahren“ oder der “Laser-Doppler-Anemometrie“ sogar Grenzschichten auf 1/10 mm genau ausmessen. Visualisierungen kann man z.B. auch mit Farbsonden oder Ölanstrichen machen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Thermische_Anemometrie
https://de.wikipedia.org/wiki/Laser-Doppler-Anemometrie

Die für die Wasserkanäle Verantwortlichen würden nicht zulassen, daß man irgendwelchen “Modder“ (Plankton o.ä.) in dem Kanal einbringt; schon gegen Algenbildung muß man da Algenvernichtungsmittel einsetzen. In Windkanälen wird vor jedem “Run“ sorgfältig nach Dreck oder vergessenen Ggenständen gesucht; Staub lagert sich in den Sieben ab, vergessene Gegenstände könnten (trotz Schutzgitter) ins Gebläse geraten und erhebliche Schäden anrichten. Alle Kanäle müssen auch von Zeit zu Zeit gereinigt werden.

Bei meiner Diplomarbeit (1964) habe ich im Wasserkanal mit der “Farbzugabe-Methode“ gearbeitet.
Da ging’s darum, dem Umschlag laminar->turbulent in einer „freien“ Grenzschicht (wie sie auch auf einer Tragflügelprofil-Oberseite hinter der laminaren Ablösung auftritt) zu untersuchen. Mein Prof F. X. Wortmann hatte dazu theoretische Voraussagen entwickelt, die ich experimentell verifzieren sollte; abhängig von diversen Parametern.
Dazu kann ich hier natürlich nicht viel sagen; das würde den hier gegebenen Rahmen bei weitem sprengen. Aber ein paar Bilder zur Veranschaulichung der Farbzugabe… und wir sind wieder beim Thema “Grenzschicht“.

Das Stufenmodell (Bild 1) ist in die Meßstrecke gestellt; auf dessen “Anlaufplatte“ (Strömung kommt von links) entwickelt sich eine definierte, berechenbare Grenzschicht, die sich an der Stufenkante ablöst; darunter ist ein “Totwasser-Gebiet“, das man beim Profil “Blase“ nennt.
Die Frage ist jetzt, was die freie Grenzschicht macht, abhängig von den Parametern, und das kann man durch Farbzugabe durch Bohrungen in der Anlaufplatte oder einen feinen Schlitz unter der Stufenkante beobachten und ausmessen.

Bild 2 zeigt einen “laminaren Fall“ bei kleiner Re-Zahl; die Strömung legt sich weit hinter der Stufe laminar wieder an.
Bild 3 ist bei höherer Re-Zahl, man sieht jetzt “Wellenbildung“ und deren Zerfall in Turbulenz, und Wiederanlegen (weiter vorne) an die Ablaufplatte.
Bild 3 zeigt den Fall bei hoher Re-Zahl. Die Grenzschicht zerfällt jetzt nach einer sehr kurzen freien Laufstrecke in intensive Turbulenz, die sich rasch wieder anlegt. So hätte man es gerne immer….

Was man aus diesen Bildern nicht sieht, aber aus Bildern von oben: Die Geschichte ist nicht ganz so einfach, der Zerfall der Grenzschicht in Turbulenz ist in Wirklichkeit ein 3-dimensionaler, komplexer Vorgang. Aber darum geht’s hier ja nicht….

Übrigens:
Wer in dem “Stufenmodell“ ein Klein-Fogleman (KF)-Profil erkennt, liegt nicht falsch. Nur gab’s diese Profile damals noch garnicht. Wir hatten aber im Spaß mal gesagt: Ob man damit als Tragflügelprofil auch fliegen könnte ?


Gruß,
Helmut
»haschenk« hat folgende Bilder angehängt:
  • Dipl-Arbeit1.jpg
  • Dipl-Arbeit2.jpg
  • Dipl-Arbeit3.jpg
  • Dipl-Arbeit4.jpg

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »haschenk« (10. Dezember 2018, 17:56)


Klaus(i)

RCLine Team

Wohnort: Achim b. Bremen

Beruf: Mensch

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12

Montag, 10. Dezember 2018, 20:45

Danke Helmut für deine umfangreiche Antwort.

Die von dir erwähnten Verfahren zur Strömungsmessung sind sicherlich besser und genauer als eine Methode mit dem Plankton.
Das Bild von den leuchtenden Delfinen hat bei mir so einen Eindruck hinterlassen, dass ich es gedanklich übertragen habe auf Autos und ähnliche Objekte.
In meinen Gedanken habe ich das Plankton aber nicht in ein Becken getan, sondern den Kanal mit dem Objekt ins Meer.
Die Leuchtmethode hat ja schon den Vorteil, dass man ein ganzheitliches Bild von einem Moment bekommt. Deswegen auch der Vergleich mit den Fäden.

Die drei Bilder von dem Stufenprofil hast Du, glaube ich, schon mal gepostet. Die kommen mir sehr bekannt vor.

Das ist sicherlich ein nicht endendes sehr komplexes Thema, wo ich auch nicht sehr viel beitragen kann.

Deswegen noch einmal Danke für deine Erläuterungen.

Gruß,
Klaus